Mit der Avata 360 geht die dritte Generation von DJIs Cinewhoop-FPV-Drohne an den Start. Ab sofort ergänzen 360°-Aufnahmen den Funktionsumfang der neuen FPV-Drohne und sollen noch kreativere Shots ermöglichen. Ob das klappt, klären wir im Test.
Vor ziemlich genau zwei Jahren erblickte die Avata 2 das Licht der Welt. Es ist also an der Zeit, die Avata-Serie mit einem neuen Modell auf den aktuellsten Stand der Technik zu bringen.
Genau so lässt sich die Avata 360 auch am besten beschreiben: als versteckte „Avata 3“. Dabei hat DJI nicht nur am Äußeren geschraubt, auch technisch wurden einige entscheidende Dinge verbessert und weiterentwickelt.
Am Anfang des Artikels möchten wir euch darüber informieren, dass das Produkt direkt vom Hersteller für einen Test zur Verfügung gestellt wurde. Diese Tatsache hat aber keinen Einfluss auf die Objektivität unserer Meinung/das Testergebnis. Wir haben die DJI Avata 360 im „Fly More Combo“ zusammen mit der DJI RC 2 getestet. Zusätzlich haben wir die DJI Goggles N3 und der DJI RC Motion 3 verwendet.
Die wichtigsten Fakten zur DJI Avata 360
- Die Avata 360 verfügt über eine neue 360-Grad-Kamera mit zwei Objektiven.
- Die Kamera kann jetzt auf zwei 1,1-Zoll-Sensoren mit jeweils 64 MP zurückgreifen.
- Spotlight Free und ActiveTrack 360 bieten erstmals Tracking-Möglichkeiten in einem FPV-Modell.
- Gimbaleffekte (Infinity Roll) lassen sich digital steuern.
- Im 360-Grad-Modus hat die Avata 360 eine allseitige Hinderniserkennung.
- Dank Kompatibilität zur DJI RC 2 kann die Avata 360 nun auch als „normale“ Kameradrohne geflogen werden.
- O4+ erlaubt jetzt auch einen zweiten farbigen Video-Feed für die Vision Assist-Ansicht.
- Die Hinderniserkennung wird durch ein LiDAR ergänzt.
- Die Flugzeit liegt auf dem Niveau der DJI Avata 2.
- Mit knapp 455 g ist die Avata 360 schwerer als ihre Vorgängerin.
- Die Drohne arbeitet im FPV-Modus mit den DJI Goggles N3 und dem DJI RC Motion 3 Controller zusammen.
- Die DJI Avata 360 beginnt bei 459 Euro (UVP). Die größeren Sets kosten jeweils 939 Euro (UVP).
Inhalt
Was ist neu bei der Avata 360?
Die Avata 360 entwickelt sich in vielen Bereichen weiter und ist mehr Hybrid aus FPV- und Kameradrohne als die vorhergehenden Avata-Modelle. Damit ihr schnell einen kompakten Überblick bekommt, hier das Wichtigste in Kürze.
Native 360°-Aufnahmen durch neues Dual-Sensor-Kameramodul
Die wohl offensichtlichste Neuerung direkt zuerst: Die Avata 360 bekommt ein neues Kameramodul inklusive Gimbal verpasst, welches jetzt auf zwei Sensoren zurückgreifen kann. Das ermöglicht es der FPV-Drohne erstmals natives 360°-Material in 8K-Auflösung aufzunehmen.

Dazu richtet sich das „Gimbal“ so aus, dass eine Kameralinse nach oben und die andere nach unten zeigt. Durch die extrem kurze Brennweite von 7,8 mm (entspricht 200° FOV) kann die Kamera so 360° rund um die Drohne aufnehmen. Damit ergeben sich dieselben kreativen Möglichkeiten, wie bei der DJI Osmo 360 – nur, dass die Avata 360 das ganze Spektakel nun in die Luft befördert.
Technisch setzt die Avata 360 ebenfalls auf zwei 1/1,1-Zoll-Sensoren mit einer nativen Auflösung von jeweils 64 MP und der Besonderheit im 1:1-Format aufzuzeichnen. Das kommt dem 360°-Einsatz zu Gute, da beide Kamera in der Höhe und Breite identisch viele Pixel zur Verfügung haben. Die Lichtempfindlichkeit der beiden Objektive gibt DJI mit f/1,9 an. Der Fokus der Avata 360 ist fix und arbeitet im Bereich von 1,5 m bis unendlich.

Natürlich kann die Drohne auch „normales“ 4K-Material in 16:9 aufzeichnen. Dann wird eine der Kameras nach vorn gedreht und nimmt mit maximal 60 fps auf.
Wenn ihr in 8K-Auflösung mit 360° aufzeichnen wollt, leistet das Dual-Sensor-Setup ebenfalls bis zu 60 fps. Alternativ kann die Auflösung auch auf 6K reduziert werden.
Zudem unterstützen die Sensoren Dual-Native-ISO und arbeiten somit stets in HDR mit erweitertem Dynamikumfang.
Spotlight Free und ActiveTrack 360 ermöglichen Tracking
Bisher war die Avata-Serie voll und ganz auf den Cinewhoop-Betrieb fokussiert – also „Point and Shoot“ mit FPV-Brille auf dem Kopf.
Das ändert sich mit der Avata 360 grundlegend. Durch die neue Sensorausstattung zur Hinderniserkennung (zwei Fish-Eye-Kameras an der Front, LiDAR in der Front und 3D-IR-Sensor am Boden) kann die Avata 360 exklusiv im 360°-Aufnahmemodus auf eine omnidirektionale Hinderniserkennung zurückgreifen.

Damit schaltet DJI gleich zwei umfangreiche Tracking-Technologien frei: ActiveTrack 360 kennen wir bereits von den aktuellen Drohnenmodellen (Mini 5 Pro, Air 3S, Mavic 4 Pro). Hier kann das Motiv ausgewählt und automatisch verfolgt werden, während sich die Positionierung der Drohne zum Motiv einfach frei einstellen lässt. Je nach Aktivität (Ski, Fahrrad oder Standard) kann die Drohne die Distanz zum Motiv dabei eigenständig anpassen oder behält die Initialdistanz bei.

Mit Spotlight bekommt die Avata 360 ein weiteres Feature, welches bisher der Kinodrohne Inspire 3 vorbehalten war. Damit wird es möglich, sich vollständig auf die Steuerung der Drohne zu konzentrieren, während die Avata 360 für das perfekte Framing sorgt. Im speziellen Free-Modus bleibt sogar das FPV-Kamerabild für den Piloten stets nach vorn ausgerichtet, während das aufgezeichnete Material das Motiv im Mittelpunkt hält.

Möglich wird dies, durch die Rundumabdeckung durch die 360°-Kamera, sodass stets der Fokus auf das Motiv gelegt werden kann – egal, wie die Drohne tatsächlich zum Motiv in der Luft platziert ist. Das funktioniert erstaunlich gut und ist eine clevere Möglichkeit, sehr dynamische Szenen zu drehen.
Wichtig zu wissen: Die 360-Grad-Erkennung der Umwelt ist im Single-Lens-Modus nicht aktiv. In diesem Aufnahmemodus kann die Avata 360 nur Hindernisse an der Front erkennen.
LiDAR und verbessertes RTH
Wie alle aktuellen DJI-Modelle bekommt auch die Avata 360 einen LiDAR-Sensor verpasst, der beidseitig an der Front eingelassen ist. Damit erhält das neue Modell ebenfalls Zugriff auf die bereits bekannten Sicherheitsfeatures, wie RTH ohne GNSS-Empfang (bei guten Lichtbedingungen) oder RTH bei Nacht (mit GNSS-Empfang).

Außerdem ist das LiDAR natürlich Teil der allgemeinen Hinderniserkennung, welche in unserem Test erneut sehr zuverlässig funktioniert hat und Objekte in der Nähe stets im OSD der Goggles oder dem Display der Fernsteuerung mit Distanzangaben anzeigt.
Diese Technologie nun ebenfalls im vollen Umfang in einer FPV-Cinewhoop-Drohne nutzen zu können, ist ein echter Mehrwert. Vor allem dann, wenn ihr euch in geeigneten Innenräumen mit der Drohne ausprobieren wollt oder bei Dämmerung unterwegs seid.
Ein virtuelles Gimbal für mehr Flexibilität
Während die Avata 2 noch über ein klassisches 1-Achsen-Gimbal zur Stabilisierung der Neigungsachse verfügte, nutzt die Avata 360 diesen Mechanismus vor allem zum Umschalten zwischen 360-Grad-Modus und dem Single-Lens-Betrieb. Im 4K-Betrieb mit einer Kamera sorgt das Gimbal weiterhin für eine mechanische Stabilisierung, die übrigen Achsen werden per RockSteady digital ausgeglichen.

Durch die 360°-Abdeckung kann die Drohne jedoch Effekte, wie das Infinity-Roll-Gimbal der deutlich teureren DJI Mavic 4 Pro tatsächlich ganz einfach virtuell nachbilden.
Mit dieser neuen Freiheit, unterstützt die Avata 360 zum Beispiel Headtracking mit den DJI Goggles N3, sodass ihr euren Blick mit der Bewegung des Kopfes 360° wandern lassen könnt. Besonders cool: Wenn man „nach hinten“ (also entgegengesetzt der aktuellen Flugrichtung) schaut, blendet die Avata 360 einen kleinen Bildausschnitt der Vorwärtsrichtung ein, sodass man weiterhin im Blick hat, wohin die Drohne fliegt.
Upgrade auf O4+ und Controller-Steuerung
Wenig verwunderlich: Auch die Avata 360 kann ab sofort auf die aktuelle O4+ Übertragungstechnologie zurückgreifen. Diese unterstützt jetzt 1080p mit bis zu 60 fps. Gegenüber O4 wurde O4+ vor allem in Umgebungen mit starker Interferenz robuster gemacht – das kennen wir bereits von der Mavic 4 Pro.
Neu: Die Avata 360 kann den Live-Stream der Flight-Assistance-Kameras, also der Kameras für die Hinderniserkennung, jetzt parallel zum Hauptfeed auch erstmals in Farbe übertragen.

Außerdem schaltet DJI ein lang herbeigesehntes Feature herbei: Die Avata 360 ist ab sofort auch mit „normalen“ Controllern, wie der DJI RC-N3 und der DJI RC 2 kompatibel und muss damit nicht mehr zwingend als FPV-Drohne geflogen werden. Das gibt gerade in Verbindung mit den 360°-Features auch Nicht-FPV-Piloten interessante neue Möglichkeiten. Für den ActiveTrack 360-Modus ist die Verwendung eines normalen Controllers sogar Pflicht.
Natürlich könnt ihr die Avata 360 auch, wie gewohnt, mit der FPV-Brille (DJI Goggles N3 oder DJI Goggles 3) und dem DJI RC Motion 3 Controller oder dem DJI FPV Remote Controller 3 steuern.


Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Wie auch bei der DJI Neo 2 fehlt der DJI Avata 360 der M-Modus (manuelle Modus) – auch dann, wenn der DJI FPV Remote Controller 3 verwendet wird.
Lieferumfang: Das gibt’s für’s Geld
Wir haben die DJI Avata 360 im Fly More Combo (RC 2) getestet. Dieses Set enthält gegenüber dem Standarset weiteres Zubehör. Folgende Komponenten sind im Lieferumfang enthalten:
- DJI Avata 3
- DJI RC 2
- Drei Flugakkus
- Landingpad
- Lade-Hub
- Tragetasche
- Kabel
- Ersatzpropeller
- Montagematerial
- Dokumentation
Alternativ könnt ihr die Avata 3 auch im Motion Fly More Combo erwerben, welches statt der DJI RC 2 Fernsteuerung dann die Goggles N3 und den DJI RC Motion 3 Controller enthält.
Ein Ladegerät liegt selbst dem Fly More Combo leider nicht bei. Es kann jedoch jedes Ladegerät mit Unterstützung für USB PD verwendet werden. Akkus lassen sich entweder direkt in der Drohne aufladen oder das Mehrfach-Ladehub kann zum Laden von bis zu drei Akkus verwendet werden.


Die geräumige Umhängetasche aus dem Fly More Combo ist hochwertig gefertigt und lässt sich sicher mit einem Reißverschluss verschließen. Schade: Leider passen die optionalen DJI Goggles N3 beim Transport nicht mit in die Tasche des RC 2-Sets.
Positiv ist hingegen zu vermerken, dass sich die beiden Linsen des neuen Kameramoduls nun einfach durch den Besitzer der Drohne austauschen lassen. Das ist vor allem für den Fall eines Unfalls oder Defektes gedacht. Dazu kann die gesamte Linse vom Kameramodul mit Schrauben gelöst werden.


DJI bietet ein passendes Kit mit Ersatzteilen an, welches alle notwendigen Werkzeuge zum sauberen Einsetzen der neuen Linse(n) enthält.
Wie groß ist die DJI Avata 360?
Wie alle bisherigen (reinen) FPV-Drohnen von DJI, lässt sich die Avata 360 nicht zusammenfalten. Das müsst ihr also beim Transport beachten.
Hier ein kleiner Vergleich der Abmessungen verschiedener Modelle. Die Avata 360 ist im Übrigen nicht nur etwas größer (breiter, dafür jedoch flacher), sondern auch schwerer als ihre Vorgängerin (dazu weiter unten mehr).
| Modell | DJI Avata 360 | DJI Avata 2 | DJI Mini 5 Pro | DJI Neo 2 |
|---|---|---|---|---|
| Abmessungen | 246 × 199 × 55,5 mm | 185 × 212 × 64 mm | 304 × 380 × 91 mm | 167 × 171 × 54 mm |
| Abmessungen (gefaltet) | – | – | 157 × 95 × 68 mm | – |
| Gewicht | 455 g | 377 g | 249,9 g | 160 g |
Für einen besseren Eindruck findet ihr hier einen direkten Vergleich mit der DJI Neo 2 und der DJI Mini 5 Pro.




Wie funktioniert 360° im FPV-Betrieb?
Was genau bedeutet die neue Kamera jetzt für den FPV-Modus? Zunächst einmal ändert sich nicht viel: Brille auf, Controller in die Hand, Motoren starten und ab geht’s.

Die Avata 360 dreht ihre Kamera dann standardmäßig direkt in die Horizontale und wechselt in den 360°-Modus. Auf die Erfahrung im FPV-Flug hat dies erst einmal keinen wirklichen Einfluss. Ihr könnt also genauso fliegen, wie ihr es gewohnt seid, und das Bild in der Brille zeigt starr in Flugrichtung.
Besonders wird es hier, wenn man beginnt, am Scroll-Rad der DJI RC Motion 3 zu drehen. Dann vergrößert sich nämlich das FOV in Echtzeit. Bis zu 272° sind hier möglich, was einem extremen Weitwinkel entspricht, der natürlich das Live-Bild entsprechend krümmt. Die Einstellung lässt sich dabei beliebig zwischen 104° und 272° verstellen, um coole Effekte zu erzielen.

Damit ihr dabei nicht die Orientierung verliert, blendet die FPV-Brille ab etwa 160° FOV ein zusätzliches Fenster mit einem „normalen“ FOV-Wert und einem Vorwärtsblick ein. Damit hat man stets im Blick, wohin die Reise geht.
Ansonsten verhält sich die Steuerung der Features, wie bei allen anderen FPV-Drohnen von DJI. Die wichtigsten Einstellungen für die Kamera sind über das untere Menüband jederzeit abrufbar.
Videobearbeitung: Apps für Smartphone und Rechner
Keine Überraschung: Das Aufzeichnen in 360° erfordert auch bei der Avata 360 einen zusätzlichen Bearbeitungsschritt, um eure Shots in das übliche Bildformat zu transformieren und dieses teilen zu können.
Konkret müsst ihr euch entscheiden, welcher Blickwinkel der kugelförmigen Panoramaaufnahme der finale Bildausschnitt sein soll.

Die Avata 360 bietet hier mit ihren Tracking-Modi bereits zwei sehr hilfreiche Features, die diese Aufgabe weitgehend automatisieren. Die Ergebnisse sind in aller Regel gut brauchbar. Vor allem der Spotlight-Free-Modus macht es Anfängern einfach.
Alternativ könnt ihr natürlich auch einfach ganz normal drauflosfilmen und das Framing später erledigen. Dazu stehen die DJI Fly App für das Smartphone und die DJI Studio-Anwendung (für MacOS und Windows) bereit.
Am Ende kommt es darauf an, welche Anforderungen ihr an das Material stellt. In der Tendenz gefällt uns das Arbeiten mit dem DJI Studio etwas besser, wobei die App durch eine sehr einfache Bedienung besticht.



Unterm Strich lautet die Botschaft: 360°-Video bietet deutlich mehr Flexibilität, bedeutet aber auch etwas mehr Arbeit, um das Maximale aus euren Shots herauszuholen.
Abbildungsqualität der Avata 360
Die von der Avata 360 aufgezeichneten Videos haben bei normalem Tageslicht grundsätzlich eine gute Qualität und weisen einen hohen Dynamikumfang auf, was den Dual-Native-ISO-Sensoren zu verdanken ist.
In dunkleren Bereichen neigt das Bild zu leichtem Rauschen, was sich vermehrt in Dämmerungssituationen zeigt.
Ihr müsst euch stest vor Augen halten, dass bei 360°-Kameras immer eine digitale Nachbearbeitung geschieht, um aus den verzerrten Halbkugelaufnahmen ein normales „flaches Video“ zusammenzusetzen.

Die beiden 1/1,1-Zoll-CMOS-Chips bekommen grundsätzlich gute Aufnahmen hin, im 360°-Modus schafft es die Drohne, ihre Propeller vollständig aus dem Bild herauszuhalten, und bietet in jede Richtung freie Sicht – ziemlich cool!
Gegenüber der Kamera der Avata 2 kann die Avata 360 im Single-Lens-Modus optisch mithalten. Auch die digitale Linsenkorrektur arbeitet hier sauber, sodass die „normalen“ Aufnahmen eher wenig Anlass zu Kritik bieten.
In Sachen Low-Light ist unter anderem die DJI Mini 5 Pro mit ihrem 1-Zoll-Sensor jedoch weiterhin klar überlegen. Insgesamt ist die Avata 360 praktisch mit den Aufnahmeergebnissen der DJI Osmo 360 gleichzusetzen. Wer mit deren Ergebnissen zufrieden ist, wird es auch bei der Avata 360 sein.


Zu hohe Ansprüche, wie etwa der Vergleich mit der Air 3S oder gar Mavic 4 Pro, sind jedoch unangebracht. Hier gerät die grundsätzlich ordentliche Bildqualität der Avata 360 dann trotz allem sichtbar ins Hintertreffen.
Wer auf das Maximum an Bildqualität aus ist, sollte aber wahrscheinlich ohnehin nicht zu einem FPV-Cinewhoop greifen, sondern ist mit einer klassischen Kameradrohne deutlich besser bedient.
Bitrateanalyse: Ein detaillierter Blick
Wir haben uns für euch die Mühe gemacht, das aufgezeichnete Videomaterial im Detail zu analysieren. Dabei ist natürlich zu beachten, dass die 360°-Aufnahmen in einem speziellen Format auf dem internen Speicher (42 GB) der Avata 360 landen und zunächst konvertiert werden müssen, um sinnvoll mit einem herkömmlichen Player abgespielt werden zu können. Für die Analyse ist dieses jedoch zweitrangig.
Alternativ zum Onboard-Speicher legt die Avata 360 das Material auch auf einer optionalen microSD-Karte ab.
Wie zeichnet die Avata 360 auf?
Für die 360°-Aufnahmen verwendet DJI einen ISOM-Container. Die Videodateien tragen die Endung .OSV, wie auch bei der DJI Osmo 360. In diesem Container werden die beiden Videostreams als einzelne H.265 codierte Videos abgelegt. Außerdem enthält das OSV-File noch weitere Streams mit Metainformationen.
Ihr habt für alle Videomodi (360° und Single Lens) die Wahl zwischen dem „normal“ Farbprofil und D-Log M für mehr Flexibilität im Post-Processing. Generell werden alle Videos immer mit 10 Bit Farbtiefe aufgezeichnet.
Die Single-Lens-Videos werden als MP4-Datei im herkömmlichen H.265-Codec mit nur einem Video-Stream gespeichert und lassen sich ohne spezielle Software direkt abspielen.
Technische Details der Avata 360 Videos
8K – 10 Bit – H.265 – „Normal“
8K – 10 Bit – H.265 – „D-Log M“
6K – 10 Bit – H.265 – „Normal“
6K – 10 Bit – H.265 – „D-Log M„
4K – 10 Bit – H.265 – „Normal“
4K – 10 Bit – H.265 – „D-Log M„
2,7K DCI – 10 Bit – H.265 – „Normal“
2,7K – 10 Bit – H.265 – „D-Log M„
Auswertung: Bitrates
Die von DJI im Datenblatt genannte maximale Bitrate von 180 MBit/s erreicht die DJI Avata 360 bei 8K mit 60 fps im 360°-Modus. Bei 6K60p (360°) könnt ihr mit etwa 130 MBit/s rechnen. Im Single-Lens-Modus (60 fps) haben wir bei 4K maximal 95 MBit/s gemessen.
Diese Werte beziehen sich ausschließlich auf die Bitrate der Videostreams. Setzt man die Gesamtdateigröße einer OSV-Datei zur Laufzeit der Aufnahme ins Verhältnis, ergeben sich höhere Bitraten. Dies ist darin begründet, dass die Meta-Streams ebenfalls Speicherplatz beanspruchen.
Flugleistung: Reicht die Leistung?
Grundsätzlich ist die DJI Avata 360 mit einem kräftigen Antrieb ausgestattet, der genügend Reserven für dynamische Flugmanöver hat. Im Vergleich zur Vorgängerin Avata 2 macht sich das deutlich gesteigerte Gewicht (Avata 2: 377 g vs. Avata 360: 455 g) jedoch klar bemerkbar.

Vor allem die Beschleunigung ist etwas reduziert. Dafür erreicht die Avata 360 in ihrem schnellsten Modus (Sport-Modus) nun mit maximal 18 m/s eine höhere Geschwindigkeit als die Avata 2 (16 m/s). Zur Wahrheit gehört aber auch: Im jetzt rationalisierten M-Modus war die Avata 2 mit bis zu 27 m/s unterwegs. In der EU jedoch nur theoretisch, da die C1-Klasse auf maximal 19 m/s limitiert ist. In Bezug auf die Höchstgeschwindigkeit unterscheiden sich die Avata 2 und die Avata 360 im Gebiet der EU also tatsächlich weniger, als es das Datenblatt zunächst vermuten mag.
Für das Erstellen dynamischer Aufnahmen aus der FPV-Perspektive ist die Avata 360 aber ausreichend motorisiert. Nur FPV-Piloten, die es gewohnt sind 6S-Geschosse zu fliegen, dürften den gewissen „Punsh“ vermissen.

Die notwendige Energie für den 360°-FPV-Spaß kommt erneut aus einem 4S-Akku, welcher wahlweise direkt in der Drohne über USB-C oder in dem optionalen Ladehub aufgeladen wird.

Der Akku fasst dabei 38,6 Wh Energie, was etwas mehr als bei der Avata 2 (31,7 Wh) ist. Die Flugzeit laut Datenblatt bleibt mit 23 Minuten unter Optimalbedingungen jedoch identisch. In der Praxis sind wir, je nach Flugdynamik und mit etwas Puffer, zwischen 15 und 18 Minuten pro Akku gelandet. Damit kann man arbeiten.
Wie laut ist die DJI Avata 360?
Die DJI Avata 360 hat aufgrund ihrer kleineren Propeller naturgemäß ein deutlich höherfrequentes Betriebsgeräusch, als etwa die DJI Mini 5 Pro.
In Sachen Geräuschentwicklung gehört die Avata 360 sicherlich objektiv weiterhin zu den „leiseren“ FPV-Drohnen. Wirklich leise ist die Avata 360 jedoch nicht, denn das hochfrequente Geräusch wird vor allem in der Nähe zum Menschen häufig als aufdringlicher wahrgenommen, als tiefere und objektiv lautere Frequenzen. Das angenehme Betriebsgeräusch der DJI Mini-Serie erreicht auch die neueste Generation der Avata-Serie somit nicht. Die Avata 360 ist auch in Sichtentfernung noch deutlich wahrnehmbar.
Die folgenden Beispielaufnahmen wurden aus 1 m Entfernung beim Starten und Schweben der DJI Avata 360 aufgenommen. Als Vergleich findet ihr die DJI Avata (1), DJI Avata 2, DJI Neo 2 und DJI Mini 5 Pro.
Avata 3 :
Avata 2:
Avata 1:
Mini 5 Pro:
Neo 2:
EU-Drohnenregeln für die DJI Avata 360
Mit einem Gewicht von etwa 455 Gramm reißt die DJI Avata 360 die Gewichtsgrenze für die C0-Klasse wenig überraschend. Wie die Vorgängerin wird die Avata 360 in der EU deshalb mit einer C1-Klassifizierung ausgeliefert.
Neben den üblichen Vorschriften zum Betrieb einer C1-Drohne gilt natürlich im FPV-Betrieb zusätzlich, dass ihr eine weitere Person als „Spotter“ mit dabei haben müsst.

Auch ist in Deutschland natürlich weiterhin eine entsprechende Haftpflichtversicherung für Drohnen Pflicht.
Insgesamt ist die Avata 360 mit der C1-Klasse jedoch sehr flexibel einsetzbar.
Bezugsquellen
Die DJI Avata 360 könnt ihr unter anderem bei folgenden Partnern beziehen.
Hinweis: Die Auslieferung der Avata 360 beginnt laut DJI erst im April 2026.
Was die DJI Avata 360 besser machen könnte
Wie immer haben wir am Schluss noch einmal eine Zusammenfassung der „negativen“ Punkte für euch zusammengestellt, die wir für uns an der Avata 360 festgestellt haben. Diese sollen euch helfen, das sonst sehr positive Bild des Produktes besser einordnen zu können.
Hardware:
- Höheres Gewicht: Die Avata 360 ist knapp 80 g schwerer als ihre Vorgängerin. Das merkt man etwas bei dynamischeren Flugmanövern. Dank des größeren Akkus bleibt die Flugdauer aber in etwa identisch.
- Umhängetasche: Die Umhängetasche des RC 2-Sets bietet leider keinen Platz für die Goggles N3 – das wäre praktisch gewesen.
Software:
- Kein M-Modus im FPV-Betrieb: Leider fehlt der Avata 360 der vollständig manuelle Steuerungsmodus, welcher bei der Avata 2 mit dem FPV Remote Controller 3 noch verfügbar war.
- Aufnahmedauer für 360°-Bilder: Wer 360°-Fotos in JPEG und RAW schießen will, muss bis zu 20 Sekunden warten, bis die Daten auf die SD-Karte geschrieben sind.
- Keine Single-Lens-Fotos: Die Avata 360 unterstützt (derzeit) nur Fotos im 360°-Modus.
Fazit: Für wen eignet sich die DJI Avata 360?
Braucht die Welt 360°-FPV-Drohnen? Mit dieser Frage im Hinterkopf haben wir uns an den Test der DJI Avata 360 gemacht. Die Antwort ist einfach: „Brauchen“ ist vielleicht übertrieben, aber cool ist es in jedem Fall.

Es gelten hier in etwa die gleichen Grundsätze wie für 360°-Actioncams: Die Avata 360 bietet viel mehr Möglichkeiten als ihre Vorgängerin mit herkömmlicher Kameraausstattung. Dafür müsst ihr euch aber im Anschluss auch noch um die Nachbearbeitung der 360°-Aufnahmen kümmern.
Wer dazu bereit ist, bekommt mit der Avata 360 eine kleine Kreativitäts-Revolution an die Hand, die viel mehr kann, als nur im FPV-Modus durch die Gegend zu heizen. Gerade der neue Spotlight-Free-Modus und die kluge Integration von Vision Assist machen richtig Spaß.
Nils‘ Meinung
„Ehrlicherweise: Ich war zunächst skeptisch, ob eine fliegende 360°-Kamera tatsächlich große Vorteile bringt. Die clevere Umsetzung des „virtuellen Gimbals“ der Avata 360, kombiniert mit den neuen Möglichkeiten des Trackings, machen die FPV-Drohne jedoch zu einem mächtigeren Werkzeug, als ich zunächst geglaubt habe.
Zudem überzeugt der neue Dual-Sensor der Drohne auch optisch, sodass im normalen Single-Lens-Modus gegenüber der Avata 2 nichts verloren geht. Die Möglichkeit, die Avata 360 endlich nicht mehr zwangsweise im FPV-Modus steuern zu müssen, sondern stattdessen die DJI RC 2 zu verwenden, macht die Drohne extrem flexibel einsetzbar und ist eines meiner Lieblings-Features!“
Das neue Modell dürfte dabei dank der einfachen Steuerung sowohl für Einsteiger als auch für Profis geeignet sein. Für Letztere stellt die Avata 360 eine ziemlich perfekte Ergänzung zur Mavic 4 Pro dar, wenn man auf der Suche nach einem Fluggerät für dynamische(re) Szenen ist.
Preislich beginnt die DJI Avata 360 (nur Drohne und Akku) bereits ab 459 Euro (UVP). Das von uns getestete Fly More Combo mit der DJI RC 2 kostet 939 Euro (UVP). Für das Motion Fly More Combo mit den DJI Goggles N3 und dem DJI RC Motion 3 Controller ruft DJI denselben Preis auf. Das ist in Anbetracht der gebotenen Features ein fairer Deal.

Pro
- 360°-Modus erlaubt völlig neue Shots
- gute Kameraqualität
- steuerbar mit DJI RC 2
- FPV-Modus super implementiert
- Spotlight Free ist revolutionär
- gute Hinderniserkennung im 360°-Modus
- Propeller durch Rahmen geschützt
Contra
- kein Manual-Mode
- kein Ladegerät im Lieferumfang
- 360°-RAW-Fotos brauchen lange
- 360°-Shots müssen immer nachbearbeitet werden (Framing)
- schwerer als die Avata 2




