Remote ID für Drohnen – Alles was Du wissen musst

Das Thema Remote ID bestimmt in gewisser Weise über die Zukunft der Drohnenbranche. Grund genug, sich einmal genau mit dieser spezielle Disziplin der Drohnnentechnologie zu befassen.

Unter dem Begriff Remote Identification versteht man eine Technik, die die Identifizierung einer Drohne im Betrieb (im Flug) aus der Ferne ermöglicht. Man kann sich das Ganze vereinfacht wie ein Kennzeichen eines PKWs vorstellen. Mit dem Unterschied, dass das Kennzeichen auch dann lesbar ist, wenn die Drohne vielleicht gar nicht in direkter Sichtweite betrieben wird.

Im Folgenden wollen wir uns die wichtigsten Fragen rund um den Themenkomplex Remote Identification für Drohnen ansehen. Wir erklären euch, wieso es diese Technik benötigt und welche verschiedenen Systeme auf den Durchbruch warten.

Warum brauchen wir Remote ID?

Auf den ersten Blick bedeutet Remote ID für Drohnenpiloten eigentlich nur zusätzlichen Aufwand und wenig direkt ersichtliche Vorteile. Trotzdem ist die Technologie entscheidend für die Zukunft von Drohnen.

Zur Zeit sind Drohnen noch nicht in die Luftraumkontrollsysteme eingebunden, wie sie zum Beispiel für die bemannte Luftfahrt bereitstehen. Somit können Einsätze von Drohnen auch nur relativ ungenau koordiniert und durch eine zentrale Überwachungsstelle verfolgt werden.

Um die kommerzielle Verbreitung von Drohnen voranzutreiben und deren Einsatz im größeren Stil zu ermöglichen (z.B. Drohnenlieferungen) ist eine Technologie zur Identifizierung und Verfolgung von aktiven Drohnen notwendig: Remote Identification.

Erst mit validen Daten über aktuell operierende Drohnen lässt sich die bestehende Luftraumüberwachung um ein sogenannte UTM (UAV Traffic Management) erweitern. Sobald ein solches UTM verfügbar ist, sind auch BVLOS-Flüge kein Problem mehr, da der Luftraum entsprechend koordiniert werden kann.

Wenn wir also von einer Zukunft sprechen, in der Drohnen automatisch Pakete liefern oder Gebäude und Infrastruktur inspizieren, sprechen wir auch von einer Zukunft in der Remote ID bereits vollständig in unser Leben Einzug gehalten hat.

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Wie funktioniert Remote ID?

Die Idee hinter modernen Remote ID Systeme für Drohnen ist in der bemannten Luftfahrt ein alter Hut. Einfach gesprochen geht es lediglich darum, aktuelle Informationen über den Flugstatus der Drohne für Dritte am Boden zugänglich zu machen.

In der bemannten Luftfahrt kommt hierzu zum Beispiel das Automatic Dependent Surveillance Broadcast System (ADS-B) zum Einsatz. Verschiedene durch das Fluggerät gesammelte Daten (Höhe, Position, Geschwindigkeit, Flugrichtung, Flugzeugtyp, Flugzeugnummer) werden über ein standardisiertes Funkverfahren in bestimmten Abständen ausgesendet. Das ist Remote ID für Flugzeuge.

Genau dasselbe soll nun für Drohnen Einzug halten. Mit einem solchen Remote ID System sendet die Drohne dann in bestimmten Abständen Informationen über ihre aktuelle Situation aus und überträgt diese auf einem festgelegten Weg an eine zentrale Stelle oder an einen dezentralen Interessierten.

Umgekehrt sollen moderne Drohnen in Zukunft auch ADS-B Signale von bemannten Flugzeugen empfangen können, um nahende Flugzeuge frühzeitig zu erkennen und den Piloten zu warnen. DJI nennt diese Technologie AirSense und will sie ab 2020 in allen seinen Drohnen verbauen. Wie genau das funktioniert, liest du hier.

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Welche verschiedenen Systeme gibt es?

Aktuell sind zwei Systemvarianten im Gespräch, die miteinander konkurrieren. Die Sprache ist von Broadcast Remote ID sowie von Network Remote ID. Im Folgenden setzen wir uns mit beiden Verfahren auseinander.

Network Remote ID

Das erste System trägt den Namen Network Remote ID. Es handelt sich dabei um ein System, das auf eine zentrale Einheit zur Identifizierung von Drohnen setzt.

Die Drohne wird dazu i.d.R. über Mobilfunk mit dem Internet verbunden und sendet ihr Identifikationsdaten so selbstständig aus. Die Verbindung zum Internet kann auf zwei Weisen hergestellt werden: Die direkte Verbindung des Fluggerätes mit dem Internet oder die Verbindung der Fernsteuerung mit dem Internet. Im zweiten Fall werden die Telemetriedaten der Drohen dann durch den Controller weitergeleitet.

Network Remot ID erklärt
Network Remote ID setzt auf eine zentrale Einheit.

Die Informationen werden anschließend über einen Remote ID Service / Remote ID Provider gesammelt, bei dem die Drohne registriert ist. Der Provider kann staatlich oder auch ein privates Unternehmen sein.

Die Aufgabe des Providers ist es, die Daten für die Luftraumüberwachung zuständigen Stellen so zur Verfügung zu stellen, dass ein UTM möglich ist.

Broadcast Remote ID

Das zweite System hört auf die Bezeichnung Broadcast Remote ID und ähnelt sehr dem oben beschriebenen ADS-B System der bemannten Luftfahrt. Broadcast Remote ID lässt sich in Direct Broadcast Remote ID und Indirect Broadcast Remote ID unterscheiden.

Schauen wir uns zunächst das grundlegende Verfahren an: (Direct) Broadcast Remote ID.

Hierbei ist die Drohne mit einem Sender ausgestattet, der die Remote ID Daten periodisch aber dauerhaft per Funk ausstrahlt. Personen in Empfangsreichweite können die ausgesandten Daten empfangen und sich so über den aktuellen Flugstatus der Drohne informieren.

Direct Broadcast Remot ID erklärt
Bei Direct Broadcast Verfahren sendet die Drohne ihr ID-Signal selbst aus.

Dass es hierzu nicht einmal spezieller Hardware bedarf, hat DJI mit seinem Drone-to-Phone Remote ID System bereits demonstriert. DJI nutzt dazu ein WiFi Signal, das von der Drohne direkt ausgesandt wird. Mithilfe des sogenannten WiFi Aware Standards können kompatible Smartphones* die Daten mithilfe einer App empfangen und so die Drohne am Himmel ganz einfach identifizieren.

Broadcast Remote ID ist somit ein dezentrales System, was im Bestfall nur Softwareanpassungen benötigt.

Eine weitere Variante ist Indirect Broadcast Remote ID. Hierbei sendet die Drohne Informationen nicht direkt zum Zwecke der Fernidentifizierung aus. Ein Remote ID Empfänger (auch Sniffer) in Empfangsnähe ermittelt stattdessen den Kommunikationslink zwischen Drohne und Pilot. Dieser wird dann dekodiert und die Remote ID Daten werden so gewonnen.

Indirect Broadcast Remot ID erklärt
Bei einem Indirect Broadcast System wird die Drohne ausgehorcht.

Es handelt sich also um ein Mitlesen der Kommunikation zwischen Drohne und Fernsteuerung. Was die Drohne über diesen Link über sich preisgibt, ist letztendlich auch für die Identifizierung verfügbar.

Die so gewonnen Daten können ebenfalls für ein geographisch beschränktes UTM genutzt werden. Drohnen melden sich hierbei jedoch nicht selbstständig im UTM an, sondern werden erkannt und abgehört. DJI hat mit seinem AeroScope ein entsprechendes Produkt im Angebot, dass die indirekte Identifikation von DJI Drohnen aus bis zu 10 km Reichweite ermöglicht.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Nachdem wir nun die verschiedenen Arten der Remote ID Systeme betrachtet haben, stellt sich die Frage nach den Vor- und Nachteilen der beiden Varianten.

Network Remote ID Vorteile:

  • ermöglicht ein reichweitenunabhängiges ID-System
  • ist die Grundlage für eine zentrale Umsetzung von UTM
  • liest nur Daten aus, die die Drohne aktiv zur Identifizierung aussendet
  • ist prinzipiell unabhängig vom Drohnenhersteller

Network Remote ID Nachteile:

  • setzt die Ausstattung der Drohne mit entsprechender Technik voraus
  • bindet die Drohne / den Controller an das Internet an (unnützes Sicherheitsrisiko!)
  • verursacht zusätzliche Kosten für die Nutzung eines Remote ID Providers auf Seiten des Drohnenpiloten
  • ist für viele Selbstbau-Drohnen nur schwer und teuer umsetzbar
  • ist für aktuelle Drohnen mitunter nicht nachrüstbar
  • die Vorteile eines zentralen Systems sind gleichzeitig dessen Nachteile (keine Redundanz, zentrale Angriffspunkt für Kriminelle, etc.)

Broadcast Remote ID Vorteile:

  • technisch extrem einfach umsetzbar (i.d.R. über Softwareanpassungen)
  • kein Mittelsmann und somit keine zusätzlichen Gebühren
  • kann theoretisch auch für Selbstbauten relativ kostengünstig realisiert werden
  • dezentrales System mit reichweitenbeschränktem „Zuhörerkreis“ (Datenschutz)

Broadcast Remote ID Nachteile:

  • keine Lösung für ein flächendeckendes Identifikationssystem
  • UTM nur geographisch beschränkt möglich (z.B. um Flughäfen)
  • verschiedene Drohnenhersteller könnten ihr ID-System unterschiedlich implementieren (gemeinsamer Übertragungsstandard notwendig)
  • Indirect Broadcast Systeme sind herstellergebunden und lesen Drohnen ohne das Wissen des Piloten aus
  • Indirect Broadcast Systeme scheitern wahrscheinlich (hoffentlich!) an verschlüsselten Communication Links zwischen Drohne und Pilot

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Welche Informationen werden über Remote ID geteilt?

Die aus der Ferne über eine Drohne abrufbaren Informationen werden sich ganz nach den gesetzlichen Anforderungen richten. Aktuell ist bereits ein Mindestsatz an Daten absehbar, der wohl in jedem Fall preisgegeben wird. Zu diesen Daten zählen:

  • die aktuelle Position der Drohne
  • die aktuelle Höhe der Drohne
  • die aktuelle Geschwindigkeit der Drohne
  • die aktuelle Flugrichtung

Mit diesen Daten könnte grundsätzlich bereits ein UTM aufgebaut werden. Außerdem liegt die Übermittlung der folgenden zusätzlichen Daten nicht all zu fern:

  • bereits zurückgelegte Flugroute seit dem Start
  • Registrierungsnummer / Seriennummer der Drohne (damit lässt sich in der Regel der Halter / Käufer bestimmen)
  • aktuelle Position des Piloten
  • Identifikation einer Sonderbetriebserlaubnis
  • Missionsdauer / Missionsziel

Wieso steht Remote ID in der Kritik?

Das gesamte Thema wird aus der RC- und Drohnen-Community – vor allem unter Hobbyfliegern – aktuell heiß diskutiert. Anlass ist ein Verordnungsentwurf der US-amerikanischen FAA, die Remote Identification auf Network Basis vorsieht.

Damit ergibt sich für den kommerziellen Drohneneinsatz zwar eine wichtige Grundlage, der private Drohnenflug würde dadurch aber nahezu der Gar ausgemacht. Denn aktuell gibt es keine Drohnen die Network Systeme unterstützen. Alte Drohnenmodelle kompatibel zu machen wäre teuer und dürfte nur für die wenigsten Herstellern rentabel sein. Aktuelle Drohnen könnten damit in vielen Gebieten, wo ein Fernidentifizierungssystem vorgeschrieben wird, unbenutzbar werden.

Außerdem gibt es noch eine Diskussion um die Privatsphäre der Piloten und den Schutz der ausgesandten Daten. Aktuell sieht der Entwurf der FAA nämlich vor, dass auch der aktuelle Standort des Piloten (oder zumindest der Startplatz der Drohne) über das System übermittelt wird.

Somit hätten Dritte nicht nur Informationen über die Drohne zur Verfügung, sondern auch über den Aufenthaltsort des Piloten. Was für Sicherheitsbehörden hilfreich und sinnvoll sein kann, darf Privatpersonen eigentlich nichts angehen. Viele Drohnen- und RC-Piloten äußerten sich bereits besorgt, weil sie sich mit unberechtigten Beschuldigungen des illegalen Fliegens, Drohungen oder sogar Gewalt konfrontiert sehen.

Unsere Meinung: Der Standort des Piloten sollte nicht über Remote ID auslesbar sein. Die Identifikation der Drohne muss genügen, um über eine Registrierungsnummer / Seriennummer den Halter der Drohne ermitteln und im Falle eines Verstoßes kontaktieren zu können. Bei schweren Vergehen mit Gefahr im Verzog gibt es ja in jedem Fall weiterhin die Möglichkeit die Drohne direkt abzufangen.

Welche Drohnen müssen Remote ID nutzen?

In Europa ist das Thema noch relativ unemotional. Auch wenn die EASA unter dem Namen U-Space bereits ein Konzept am Start hat, dass die Remote ID Bestrebungen in der Europäischen Union schon relativ genau umreißt. Bereits in der U-Space 1 Phase ist die sogenannte „e-identification“ (= Remote Idenfication) vorgesehen. Für die Umsetzung dieser Phase will sich die EASA bis 2022 Zeit nehmen.

Auch in den USA ist die genaue Auswirkung des Themas auf die Drohnenbranche und vor allem das Drohnen-Hobby noch nicht vollständig abschätzbar. In der aktuell vorgeschlagenen Variante würde Remote Identification aber zumindest den privaten Drohnenflug stark einschränken.

Es ist in jedem Fall zu hoffen, dass kleine Drohnen (z.B. <2 kg) in Europa von der Pflicht zur Identifizierung ausgeschlossen werden, wenn diese zu Freizeitzwecken geflogen werden.

Im Zweifel dürfte sich aber hier das System zur Identifizierung durchsetzen, das dem kommerziellen Drohneneinsatz die größten Vorteile bietet. Hier stehen trotz aller unangenehme Folgen für private Drohnenpiloten jedoch derzeit alle Zeichen in Richtung Network Remote ID. Denn nur so lässt sich ein lückenloses UTM aufbauen, das den automatischen Betrieb und die automatische Überwachung von Drohnen im Luftraum möglich wacht. Die Kosten werden dabei auf die Verursacher verteilt werden: uns Drohnenbetreiber.

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Schlusswort

Wir hoffen, dir hat dieser Artikel zum Thema Remote Identifiaction gefallen und du weißt nun, was sich hinter der Technologie verbirgt und wie diese den Einsatz von Drohnen in Zukunft beeinflussen kann.

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

Hi, ich bin Nils! Ich bin leidenschaftlicher Modellbauer, Hobby-Fotograf, Akku-Liebhaber und RC-Pilot. Ich berichte hier über die neusten Entwicklungen in der Drohnen-Branche und kümmere mich um detaillierte Anleitungen, Guides und Testberichte.

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