Kommentar: Deutschland – Das „Anti-Drohnen-Land“?(In nur 9 Minuten gelesen)

Wer die in den Medien geführt Debatte um Drohnen verfolgt, bekommt den Eindruck, als würden wir Deutschen die Drohnen-Technologie besonders kritisch betrachten. In diesem Kommentar wollen wir der scheinbaren Drohnen-Antipathie der Öffentlichkeit Beachtung schenken und auf die Folgen für die Zukunft hinweisen.

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Das die Deutschen im weltweiten Vergleich nicht unbedingt zu den Early Adoptern zählen, ist unsäglich bekannt. (Als Early Adopter bezeichnet man Personen, die neue Technologien nicht nur schnell akzeptieren, sondern auch mit einer gewissen Begeisterung verwenden.)

In Bezug auf Drohnen scheint das leider auch zu gelten, zumindest wenn man dem Bild glaubt, dass von vielen öffentlichen Medien über Drohnen gezeichnet wird.

Natürlich lässt sich keine Nation über einen Kamm scheren, dass gilt auch für das Thema Drohnen. Dem gegenüber stehen nämlich zehntausenden, wenn nicht mittlerweile hundertausende Drohnenpiloten in Deutschland, die sich an der „neuen“ Technologien erfreuen oder damit bereits ihren Lebensunterhalt verdienen, sei es als Pilot oder Anbieter / Händler von Drohnen.

Im Folgenden wollen wir uns damit beschäftigen, wie Deutsche über Drohnen zu denken scheinen und was wir in der Zukunft erwarten können.

„Alle Drohnen(piloten) sind böse!“

Das Wort Drohne kommt in der allgemeinen Wahrnehmung nicht gut weg, dass gilt nicht nur für Deutschland. Eine aktuelle PWC Studie zeigt schön, wie negativ behaftet das Wort und die damit verbundenen Fluggeräte tatsächlich sind.

Dabei ist natürlich „Drohne“ nicht gleich „Drohne“. Welche Arten von Drohnen es gibt und welche verschiedenen Begriffe in der Öffentlichkeit teils wahllos durcheinander geworfen werden, haben wir euch in unserem Artikel zum Thema „Drohnen: Was ist das?“ zusammengefasst.

Drohnenaufnahme aus Vogelperspektive
Tolle Perspektive oder Grund zur Aufregung? Eine Aufnahme aus 90 Meter Höhe.

Die schnelle Verteufelung von Copterpiloten ist dabei besonders kritisch zu betrachten. Während die allermeisten Drohnenpiloten sich versuchen an die – nicht minder komplexen Regelwerke der Bundes- und Landesregierungen zu halten – betritt wohl die große Mehrheit aller Piloten trotzdem mit einem mulmigen Gefühl im Hinterkopf das freie Feld, um eine Runde mit dem Copter zu drehen.

Der Betrieb einer Drohne wird dabei in der Öffentlichkeit gerne schnell mit Dingen, wie „dem Eindringen in die Privatsphäre“ verbunden. Die Bedenken von einer neuen Technologie am Himmel ausspioniert zu werden, scheint manchen Mitbürgern dabei die letzte Rationalität zu rauben. So schoß ein Mann in Sachsen sogar eine Drohne vom Himmel, weil er davon überzeugt war, das Aufnahmen von ihm gemacht worden seien (das ein Gericht den Schützen dazu noch freisprach, ist eine ganz andere Geschichte).

Oft ist es gefährliches Halbwissen mit einer geballten Ladung Ignoranz, die zu einem schlechten Bild über Drohnen zu führen scheint. Denn selbst wenn sich Kameradrohnen prinzipiell dazu benutzen lassen würden, Aufnahmen von fremden Personen in ihrem Garten anzufertigen, muss doch den aller meisten Menschen Bewusst sein, dass niemand wirklich ein Interesse an ihrem Tun hat.

Der Großteil der Drohnenpiloten (so hoffen wir!) interessiert sich viel mehr für das Anfertigen von schöne Landschaftsaufnahmen. Oder aber das Fotografieren und Filmen mit der eigenen Person als Motiv aus neuartiger Perspektive (ja – der Selfie ist schon lange in der Drohnenwelt angekommen und nennt sich „Dronie“).

Das sich der Mensch gerne selbst in den Mittelpunkt stellt, wird in der Drohnenwelt zu einem interessanten Paradox: Während der Pilot sich vielleicht wortwörtlich im Zentrum seiner Aufnahme befindet, haben einige Menschen das Gefühl, ihr Leben und Tun wäre so interessant, dass jemand extra mit einer Drohne vorbeigekommen ist, um sie zu filmen und zu fotografieren, um damit absichtlich in ihre Privatsphäre einzudringen. Die Idee ist nicht nur komisch und egoistisch, sondern in den meisten Fällen natürlich völliger Quatsch. Damit wollen wir natürlich nicht sagen, dass das Filmen und Fotografieren Dritter ohne deren Zustimmung richtig ist.

Wer das nächste Mal eine Drohne in den Himmel aufsteigen sieht, kann sich zu 99% sicher sein: Der Pilot hat kein Interesse an dir als Objekt auf seinen Fotos. Oft wäre er sogar froh, du wärst gar nicht drauf (selbst wenn du nicht identifizierbar bist). Aber das kann er sich nicht aussuchen, genau so wenig, wie du dir aussuchen kannst, dass er gerade legal mit seiner Drohne unterwegs ist – leben und leben lassen. :)

Begegnungen mit Passanten: (Meistens) eine nette Sache

Wer auf die geltenden Bestimmungen achtet (dabei helfen z.B. Drohnen Apps für dein Smartphone) und so mit seiner Drohne rechtmäßig unterwegs ist, trifft natürlich trotzdem immer wieder auf Passanten und Mitbürger, die ebenfalls ihren Hobbys in der Natur nachgehen.

Wir haben hier – ganz im Gegensatz zur offensichtlich eher negativen öffentlichen Meinung über Drohnen – in der überwiegenden Mehrzahl sehr nette Begegnungen gehabt. Diese freundlichen Begegnungen lassen sich in zwei Kategorien einordnen: die Menschen, die das „fliegende Ding am Himmel“ interessiert und die etwas darüber lernen und wollen und jene, die es nicht interessiert und die Piloten und Drohne ignorieren.

Mavic 2 Pro und Aurora HDR - Bild 2 (Lissabon, Portugal)
Mitten in der Stadt legal aufsteigen? In Ländern mit einem klaren Rahmenwerk kein Problem.

Solltest du daher einen Drohnenpiloten bei der Arbeit oder bei der Ausübung seines Hobbys treffen, können wir nur dazu ermuntern, ein Gespräch zu suchen. Die meisten Drohnenpiloten sind froh darüber, ihre Begeisterung für die Drohnentechnologie mit dir zu teilen und dir zu erklären, was sie dort gerade machen. Wir haben schon viele solcher netten Unterhaltungen geführt und es war stets lehrreich für beide Seiten.

Die dritte Kategorie an Mitmenschen soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Es gibt natürlich auch Personen, die fühlen sich von einer fliegenden Drohne bedroht, genervt, gönnen dem Piloten seine Freude nicht oder müssen unbedingt Recht haben und dieses durchsetzen. In der Regel sind es belehrende Dinge, wie „Sie dürfen hier nicht fliegen!“ oder „Naturschutz sagt Ihnen wohl gar nichts?!“, die als freundliche Ansprache des Piloten verwendet werden. Oft sind die Sprüche natürlich völliger Quatsch. Denn wenn du dich durch diverse Karten und Verordnungen gelesen hast und dann zu dem Schluss gekommen bist, dass ein Flug im entsprechenden Gebiet okay ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du einen informationellen Vorsprung gegenüber einem zufällig vorbeikommenden Mitmenschen besitzt, relativ groß: Soll heißen, nicht alles was laut gequatscht wird, ist automatisch richtig.

Im Grunde gibt es – wie bei allen Konflikten – zwei Arten darauf zu reagieren. Entweder sich entschuldigen und präventiv das Weite suchen oder sich auf den Dialog / die Diskussion einzulassen. Hier kann man natürlich keine allgemeine Empfehlung geben, wie zu reagieren ist – das ist völlig abhängig von der Situation. Alles gefallen lassen muss man sich aber auch nicht, schon gar nicht, wenn es beleidigend wird und man seine Drohne legal betreibt.

Allgemein lässt sich aber festhalten: Die meisten Personen sind interessiert und furchtbar ahnungslos, wenn es um Multicopter / Drohne geht. Hier ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten, sehen wir beinahe als Pflicht jedes Piloten an, der an seinem Hobby bzw. der Technologie an sich hängt. :)

„Drohnen sind gefährlich!“

Leider kam es gerade in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zu Zwischenfällen an europäischen Flughäfen, die teilweise zum kompletten Erliegen des Flugbetriebes führten. In den meisten Fällen wurden Drohnen dafür verantwortlich gemacht, die in einem Luftraum unterwegs gewesen sind / sein sollen, wo das Fliegen verboten ist.

In den vielen Fällen wurden diese Anschuldigungen / Sichtungen nie bestätigt. Oft waren es Plastiktüten, Vögel oder Schatten, die von den Piloten in Passagier- und Frachtflugzeugen für Drohnen gehalten wurden.

Natürlich geht dabei oft nur die spannende Meldung durch die Medien, dass eine Drohne gerade den Gatwick Airport oder den Frankfurter Flughafen lahm gelegt hat. Das es sich teilweise um unbestätigte Sichtungen handelte, wird weit weniger breit berichtet.

Im Bereich der Flugsicherheit haben Drohnen in der öffentlichen Wahrnehmung also in jedem Fall einen schweren Stand, weil die Gefahr, die von (illegal geflogenen UAVs) ausgeht, gerne in den Vordergrund gestellt wird. Damit möchten wir auf keinen Fall sagen, dass diese Gefahr nicht ernst zu nehmen ist – das ist sie unter alle Umständen. Es ist lediglich fragwürdig, wie sich Öffentlichkeit und Medien (oder dank Medien) auf Drohnen als neuen Sündenbock am Himmel eingeschworen zu haben scheinen.

Wie groß ist die Chance mit einem Flugzeug zu kollidieren (Drohne)
Flughäfen werden in der Zukunft aufrüsten müssen, um illegale Drohnen aufzufangen – Gesetzte und Regeln hin oder her.

In diesem Zusammenhang hat der Drohnenhersteller DJI eine sinnvolle Forderung an die Flugsicherungen weltweit aufgestellt: Es muss ein internationaler Standard definiert werden, der eine bessere Bewertung von potenziellen Drohnensichtungen zu lässt, um echte Gefahren schneller erkennen und Hysterie und Falschmeldungen in der Presse vermeiden zu können.

Auch muss klar geregelt werden, wer im Ernstfall für die Entfernung einer „illegalen Drohne“ zuständig ist. Hier gibt es in Deutschland aktuell noch Kompetenzgerangel. In letzter Instanz werden die Flughäfen aus reinem Pragmatismus in Technologien investieren müssen, die Drohnen in Echtzeit erkennen und abfangen können.

Das eine Drohne ein Passagierflugzeug kritisch treffen kann, wurde bereits eingehend erforscht. Dem gegenüber steht aber auch eine extrem geringe Wahrscheinlichkeit, dass eine Drohne von einem Flugzeug getroffen wird. Diese steigt mit der größeren Verbreitung von Drohnen natürlich weiter an, wird auf der anderen Seite durch neue Regulierungen und Abwehrtechnik aber wieder gesenkt.

Realistisch betrachtet wird es aber irgendwann einen ersten fatalen Zusammenstoß von Flugzeug und Drohnen geben. Genau, wie es einen ersten kritischen Zusammenstoß von Vögeln mit Flugzeugen gab. Wie das die weitere Verbreitung von Drohnen beeinflussen wird, wird vom Zeitpunkt des Ereignisse abhängen. Je ferner dieser Unfall in der Zukunft liegt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Versuch zur „Verbannung“ von Drohnenechnologie unternommen wird. Je nach dem, in welchem Land es zu dem Vorfall kommen wird, ist ein mehr oder weniger hektischer Aktivismus der Regierung und Politik aber wohl leider vorprogrammiert. Wir hoffen natürlich inständig, dass niemals ein kritischer Zusammenstoß stattfinden wird.

An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass Hobbypiloten in der Regel darüber informiert sein dürfen, nicht in Flughafennähe aufzusteigen. Ausnahmen gibt es natürlich leider immer. Und diese sind es wohl auch, die den deutlichen Anstieg von Drohnensichtungen in Flughafenbereichen zwischen 2017 und 2018 zu verantworten haben.

Nichts desto trotz muss uns allen klar sein: Wer Schaden anrichten will – z.B. mit terroristischem Motiv oder um finanziellen Schaden zu erzeugen – wird mit seiner Drohne aktuell einen Weg finden. Personen mit einem solchen Tatmotiv handeln selbstverständlich ohne irgendwelche Gesetze zu beachten. Hier wird Flughäfen nur der physische Schutz vor Drohnenangriffen übrig bleiben. Denn die Drohnentechnologie ist bereits da und wird auch nicht verschwinden, darüber können Flughafenbetreiber sich ärgern, es ändert aber nichts daran, dass reagiert werden muss.

Zukunftsmarkt: Sind wird dabei?

Die eher negative öffentliche Wahrnehmung hemmt den Fortschritt im Bereich der Drohnentechnologie, das unterstreicht auch eine aktuelle PWC Studie. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Gesetzgeber eher zögerlich auf den technischen Fortschritt reagieren. Das ist in gewisser Weise verständlich, man will den Wähler nicht verärgern.

Auf der anderen Seite gibt es eigentlich nur positive Voraussagen, was die Zukunft von Drohnen als neuen Markt angeht. Kaum ein Land wird es sich leisten können (oder sollte es sich leisten) an diesem Rennen nicht oder nur halbherzig teilzunehmen. In unserer globalisierten Welt gibt es nämlich Staaten, die die Vorteile und Chancen der Drohnentechnologie erkannt haben und mit Hochdruck die nötigen Rahmenbedingungen für Dienstleistungen und Produkte auf Drohnenbasis schaffen (wir denken hier an den ersten Drohnen-Taxi-Betrieb in Singapur noch in 2019). Wer hier die besten Rahmenbedingungen schafft, wird unweigerlich die innovativsten Firmen anziehen, die für Wohlstand sorgen.

Drohnen-Gesetze und Regeln in Portugal - Mavic 2 Pro mit Genehmigungen
In Portugal braucht man schon heute für jeden Aufstieg mit einer Kameradrohne eine Erlaubnis.

Zwar ist die EU bereits dabei mit den neuen EU-Drohennregeln und dem U-Space Konzept wichtige Grundlage zu entwerfen, wie deren Ausgestaltung auf Ebene der einzelnen Mitgliedstaaten (also auch Deutschland) aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Wie im Bereich der Elektromobilität oder anderen Feldern der Digitalisierung, muss sich Deutschland (und die deutsche Öffentlichkeit) überlegen, ob man Drohnen auf Basis von halbwahren Befindlichkeiten als Wirtschaftsfeld diskriminieren will. Wenn nicht, ist die Politik gefragt, die Vorteile dieser „neuen“ Technologie aktiv in ein besseres Licht zu rücken – das klappt mit anderen Dingen ja auch.

Bleibt abschließend noch zu sagen: Als Hobbypilot sollte man sich seine Freizeitgestaltung nicht madig machen lassen. Als Unternehmen im Bereich der Drohnentechnologiebereich sollte die Standortwahl für die Unternehmung zumindest in der strategischen Planung an die herrschenden Gesetze und mögliche Verschärfungen geknüpft werden. Es gibt aktuell Länder mit besseren Grundvoraussetzungen für drohnenbasierte Geschäftsmodelle als Deutschland – leider.

Wie immer wünschen wir allen Piloten – egal ob im bemannten oder unbemannten Luftfahrtzeug – einen guten und sicheren Flug!

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

Hi, ich bin Nils! Ich bin leidenschaftlicher Modellbauer, Hobby-Fotograf, Akku-Liebhaber und RC-Pilot. Ich berichte hier über die neusten Entwicklungen in der Drohnen-Branche und kümmere mich um detaillierte Anleitungen, Guides und Testberichte.

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