Wissen: Alles über die neuen EU-Drohnen-Regeln 2019(In nur 11 Minuten gelesen)

Die EASA (European Aviation Safety Agency) wird in diesem Jahr voraussichtlich neue Drohnen-Regeln erlassen, die die Vorgaben für Drohnenpiloten innerhalb der Europäischen Union vereinheitlichen sollen. In diesem Artikel beleuchten wir den aktuellen Stand und, was die neue Drohnen-Verordnung auf EU-Ebene für Piloten von Multicoptern bedeutet.

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EASA LogoBildquelle: EASA
Das Logo der EASA.

Ziele der neuen Drohnen-Verordnung

Das Ziel der neuen EU-Drohnen-Regeln ist an erster Stelle die einheitliche Regelung zum Umgang und Betrieb von Drohnen (Unmanned Aerial Systems, UAS). Die Regeln sollen die durchaus deutlich unterschiedlichen Regelungen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten harmonisieren, ein gleiches Verständnis schaffen und vor allem einen ähnlichen Einsatz von Drohnen in allen EU-Ländern ermöglichen.

Die EU-Verordnungen kommen dabei nicht nur im kommerziellen Bereich zur Anwendung, sondern werden auch den privaten Einsatz von Drohnen betreffen, die zu Freizeitzwecken verwendet werden.

EASA-Informationsvideo aus dem Jahr 2015 zum sichern Umgang mit Drohnen.

Die seit 6. April 2017 gültige Drohnenverordnung des BMVI wird mit den kommenden EU-Regelungen unwirksam, zumindest an den Stellen, an denen die EU-Regelungen strengeren Auslegungen unterliegen. Mitgliedsstaaten sollen nach wie vor eigene Einschränkungen treffen können, ob die deutsche Drohnenverordnung jedoch in ihrer aktuellen Form Bestand haben wird, ist zweifelhaft.

Welche Bestandteile regeln was?

Die EU-Drohnen-Regeln werden in zwei einzelnen Durchführungsverordnungen ausgearbeitet:

  • Commission Delegated Regulation on Drones (auf Deutsch: Herstellungsvorschriften für Drohnen – „Delegated Act“)
  • Commission Implemented Regulation on Drones (auf Deutsch: Betriebsvorschriften für Drohnen – „Implemented Act“)

Piloten sind also demnach vor allem dem Implemented Act unterworfen, während Hersteller von Drohnen den neuen Vorschriften des Delegated Act folgen müssen.

In der Praxis spielt diese Struktur in der Zukunft für Piloten eine wohl eher untergeordnete Rolle. Sie wird aber im Ausrollungsprozess der Regelungen wichtig werden, weil nicht alle Vorschriften zeitgleich wirksam werden.

Die neue Unterteilung von Drohnenflügen: OPEN, SPECIFIC, CERTIFIED

Erster Antritt der neuen EU-Drohnen-Regeln ist die EU-weite Unterteilung von Drohnen-Operationen in drei einfache Kategorien, die in der gesamtem Europäischen Union einheitlich interpretiert werden. Die drei Kategorien tragen die Bezeichnungen OPEN (Offen), SPECIFIC (Spezifisch) und CERTIFIED (Zertifiziert).

Im Folgenden wollen wir uns die ausgearbeiteten Vorschriften für jede der einzelnen Kategorien genauer ansehen, um euch einen Überblick zu verschaffen.

Betriebskategorie: OPEN (Offen)

Die OPEN Category umfasst die folgenden Vorschriften, welche zukünftig beim Betrieb von Drohnen beachtet werden müssen:

  • Flugoperationen mit geringem Risiko
  • maximal 120 m Flughöhe über Grund (AGL)
  • Flug nur in Sichtweite erlaubt (VLOS), kein BVLOS
  • Mindestalter für den Betrieb von Drohnen muss beachtet werden, wenn der Mitgliedsstaat ein solches vorschreibt
  • Versicherungspflicht besteht (Haftpflicht) (abhängig vom Mitgliedsstaat) – Alles über Versicherungen für Drohnen haben wir extra für dich zusammengefasst.
  • Der Transport von gefährlichen Gütern ist untersagt
  • Eine Kennzeichnung der Drohne ist ab Drohnen-Klasse C1 notwendig (siehe unten)
  • Flüge sind nur außerhalb der durch die Mietgliedsstaaten festgelegten Restricted Flight Zones erlaubt. Diese RFZs werden in einem zentralen Register abrufbar sein.

Außerdem kann die Art des Fluges in der Kategorie OPEN in drei verschiedene Szenarien unterteilt werden:

  • A1: Flüge über Menschen (jedoch keine Menschenansammlungen > 10 bis 12 Personen)
  • A2: Flüge in der Nähe von Menschen (mit sicherer Entfernung)
  • A3: Flüge in weiter Entfernung von Menschen

Je nach Klassifizierung der Drohne ergeben sich verschiedene Einschränkungen, abhängig davon, ob es sich um einen Flug der Unterkategorie A1, A2 oder A3 handelt.

Betriebskategorie: SPECIFIC (Spezifisch)

Die zweite Betriebskategorie der neuen EU-Drohnen-Regeln tritt immer dann in Kraft, wenn eine oder mehrere Vorgaben der OPEN Category nicht eingehalten werden können. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn eine größer Flughöhe benötigt wird oder die Drohen außer Sichtweite des Piloten (BVLOS) geflogen werden muss. Es gelten dann folgenden Vorschriften:

  • Operationen mit mittlerem Risiko
  • Es besteht Genehmigungspflicht. Diese Genehmigung kann auf drei verschieden Arten erteilt werden/sein:
    • Individuelle Ausnahmeregelung liegt vor.
    • Die Operation folgt einem definierten Standardszenario. Von diesen wird es eine Vielzahl geben.
    • Inhaber einer sogenannten Light UAS Certificate (LUC) – einer kleinen UAS-Operator-Lizenz – dürfen die Standardszenarien ohne weitere Genehmigungen ausführen. Ansonsten ist auch hierfür eine vorherige Genehmigung der zuständigen Behörde notwendig.
    • Sollte es kein Standardszenario für die geplante Flugoperation geben, muss im Rahmen des Genehmigungsverfahrens ein Special Operation Risk Assessment (SORA) – also eine Risikobewertung – durchgeführt werden.

Da streng genommen auch FPV Racing bzw. Drone Racing (Was ist FPV Racing?) unter den Betrieb der SPECIFIC Kategorie fällt, können wir uns vorstellen, dass es hierfür ein eigenes Standardszenario geben wird.

Betriebskategorie: CERTIFIED (Zertifiziert)

In dieser Kategorie sind alle Szenarien von Drohnenoperationen zusammengefasst, die großes Risikopotenzial aufweisen. Die genaue Gesetzgebung/Spezifizierung dieser Szenarien steht noch aus. Folgende Flugoperationen werden unter CERTIFIED fallen:

  • Operationen mit hohem Risiko
  • Anlehnung der Vorgaben an die Gesetzgebung der bemannten Luftfahrt (Lufttüchtigkeitsprüfung, Pilotenlizenz, Sicherheitsaufsicht durch Luftfahrtbehörde des Mitgliedslandes/EASA)
  • Drohnen mit mehr als 300 cm Durchmesser
  • Drohnen im Einsatz über Menschengruppen mit einer kinetischen Energie von > 34 kJ
  • Drohnen für den Transport von Gütern
  • Drohnen für den Transport von Personen

Für die meisten Piloten dürfte das Szenario OPEN daher in der Regel das favorisierte Vorgehen/Regelwerk bei dem Betrieb ihrer Drohne sein. Dabei ist es zweitrangig, ob der Betrieb privat oder mit kommerzieller Absicht geschieht.

Spannend wird die Einordnung des Drone-Racing-Sports, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Für kleine FPV Racer sieht die aktuelle deutsche Drohnenverordnung entsprechende Berücksichtigung bereit. Sollte FPV Racing unter die Kategorie SPECIFIC fallen, kommen auf viele FPV-Racing-Freunde mit unter zusätzliche Hürden wie das Ablegen eines Light UAS Certificate (LUC) zu.

Drohnen-Klassen für mehr „Übersichtlichkeit“

Als zweiter Pfeiler der EU-Drohnen-Regeln wird es in Zukunft eine Unterteilung der unterschiedlichen Drohnen in fünf Klassen von C0 bis C4 geben (C = Class).

Die Einordnung der Drohne wird dabei basierend auf Größe, Gewicht, Sicherheitsfunktionen und Bewegungsenergie durchgeführt.

Für Drohnen, die im freien Verkauf erhältlich sind, ist der Hersteller für die Klassifizierung zuständig. Die Klasse muss dann auch deutlich auf der Verpackung des Produktes sichtbar sein. Die Einordnung von Selbstbauten sieht die EU-Drohnenverordnung ebenfalls vor.

Je nach Drohnen-Klasse gelten unterschiedliche Vorschriften und Auflagen, die erfüllt werden müssen. Wir fassen im Folgenden das Wichtigste zusammen:

Drohnen Klasse C0

Die Klasse C0 ist die niedrigste Drohnen-Klasse mit dem geringsten Gefahrenpotenzial. Sie beinhaltet die folgenden Vorgaben.

EASA Drohnen Klasse C0Bildquelle: EASA
C0 – EASA Infografik

Gültig für:

  • Drohnen unter 250 g Startgewicht
  • Selbstbauten mit einem AUW bis 250 g

Auflagen/Voraussetzungen für Hersteller und Drohne:

  • Gebrauchsanweisung muss vorhanden sein
  • Muss mit der EU-Spielzeug-Sicherheitsrichtlinien (2009/48/EC) übereinstimmen
  • Darf nicht schneller als 19 m/s (68,4 km/h) fliegen können
  • Das Höhenlimit muss einstellbar sein
  • Das Gehäuse der Drohne darf keine scharfen Kanten besitzen
  • Eine elektronische Identifikation/GEO Awareness System ist nicht notwendig

Auflagen/Verbote für den Piloten:

  • Gebrauchsanweisung muss gelesen werden
  • Pilot muss nicht registriert sein
  • Category OPEN A1: Es darf über Menschen geflogen werden

Drohnen-Klasse C1

EASA Drohnen Klasse C1Bildquelle: EASA
C1 – EASA Infografik

Gültig für:

  • Drohnen bis 900 g Startgewicht
  • ODER maximal 80 J Bewegungsenergie

Auflagen/Voraussetzungen für Hersteller und Drohne:

  • Gebrauchsanweisung muss vorhanden sein
  • Darf nicht schneller als 19 m/s (68,4 km/h) fliegen können
  • Das Höhenlimit muss einstellbar sein
  • Das Gehäuse der Drohne darf keine scharfen Kanten besitzen
  • Eine elektronische Identifikation/GEO Awareness System ist notwendig
  • Dokumente über die Bewegungsenergie und mechanische Stabilität müssen vorliegen
  • Bei Verbindungsverlust muss eine Notfallprozedur zur Verfügung stehen (Return to Home, Fail Safe etc.)

Auflagen/Verbote für den Piloten:

  • Gebrauchsanweisung muss gelesen werden
  • Online-Test notwendig
  • Pilot muss registriert sein und Registrierungsnummer auf Drohne angebracht werden (siehe Beispiel USA) – ähnlich wie das aktuelle Drohnenkennzeichen* in Deutschland
  • Category OPEN A1: Es darf über Menschen geflogen werden

Drohnen-Klasse C2

Gültig für:

  • Drohnen bis 4 kg Startgewicht

Auflagen/Voraussetzungen für Hersteller und Drohne:

  • Gebrauchsanweisung muss vorhanden sein
  • Das Höhenlimit muss einstellbar sein
  • Das Gehäuse der Drohne darf keine scharfen Kanten besitzen
  • Eine elektronische Identifikation/GEO Awareness System ist notwendig
  • Dokumente über die Bewegungsenergie und mechanische Stabilität sowie Sollbruchstellen müssen vorliegen
  • Bei Verbindungsverlust muss eine Notfallprozedur zur Verfügung stehen (Return to Home, Fail Safe etc.)
  • Manuell aktivierbarer Low-Speed-Modus muss Geschwindigkeit auf maximal 3 m/s begrenzen können, wenn nah an Menschen geflogen werden soll

Auflagen/Verbote für den Piloten:

  • Gebrauchsanweisung muss gelesen werden
  • Online-Test notwendig
  • Theoretischer Test in anerkanntem Prüfungszentrum notwendig
  • Pilot muss registriert sein und Registrierungsnummer auf Drohne angebracht werden (siehe Beispiel USA) – ähnlich wie das aktuelle Drohnenkennzeichen* in Deutschland
  • Category OPEN A2: Es darf in der Nähe von Menschen geflogen werden.
    • Ohne Low-Speed-Modus: minimale Distanz 50 m und Einhaltung der 1:1-Regel (minimaler horizontaler Abstand = aktuelle Flughöhe der Drohne)
    • Mit Low-Speed-Modus: minimale Distanz 5 m, ebenfalls Einhaltung der 1:1-Regel

Drohnen-Klasse C3 und C4

EASA Drohnen Klasse C3Bildquelle: EASA
C3 – EASA Infografik

Gültig für:

  • Wenn nicht C0, C1 oder C2
  • Drohnen unter 25 kg Startgewicht
  • Alle Eigenbauten über 250 g Abfluggewicht

C3 – Auflagen/Voraussetzungen für Hersteller und Drohne (nicht gültig für Eigenbauten):

  • Gebrauchsanweisung muss vorhanden sein
  • Das Höhenlimit muss einstellbar sein
  • Eine elektronische Identifikation/GEO Awareness System ist notwendig
  • Dokumente über Sollbruchstellen müssen vorliegen
  • Bei Verbindungsverlust muss eine Notfallprozedur zur Verfügung stehen (Return to Home, Fail Safe etc.)

Die Klasse C4 deckt aufgrund ihrer Definition auch konventionelle Flugmodelle/Modellflugzeuge ab.

EASA Drohnen Klasse C4Bildquelle: EASA

C4 – Auflagen/Voraussetzungen für Hersteller und Drohne (nicht gültig für Eigenbauten):

  • Gebrauchsanweisung muss vorhanden sein
  • Eine elektronische Identifikation/GEO Awareness System ist notwendig, wenn in der eingesetzten Flugzone notwendig
  • Kein autonomer Flug erlaubt

Auflagen/Verbote für den Piloten:

  • Gebrauchsanweisung muss gelesen werden
  • Online-Test notwendig
  • Pilot muss registriert sein und Registrierungsnummer auf Drohne angebracht werden (siehe Beispiel USA) – ähnlich wie das aktuelle Drohnenkennzeichen* in Deutschland
  • Category OPEN A3: Abseits von Städten auf freien Flächen. Unbeteiligte Personen dürften durch Betrieb nicht gefährdet werden.

Zeitplan zum Inkrafttreten der neuen EU-Drohnen-Regeln

Aktuell befinden sich die EU-Drohnen-Regeln noch in der „Mache“. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass die Regelungen für die einzelnen Betriebsszenarien OPEN, SPECIFIC und CERTIFIED zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Kraft treten können/werden.

Der aktuelle Vorschlag der Verordnung der EU-Kommission wurde am 28. Februar 2019 von der EASA angenommen. Am 12. März 2019 wurden sowohl der Implementation Act als auch der Delegated Act von der Europäischen Kommission angenommen und an das EU-Parlament sowie den Europäischen Rat weitergeleitet. Sollten der Rat und das Parlament keine weiteren Änderungen vorsehen, können beide Verordnungen nach dem zweimonatigen Prüfungszeitraum veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung wird im Mai 2019 erwartet.

Am 11. Juni 2019 wurden sowohl der Implementation Act, als auch der Delegation Act vom EU Parlament und dem Europäischen Rat ohne Einwände bestätigt und somit veröffentlicht. Die Verordnungen treten damit ab dem 31 Juni 2019 (d.h. 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung) in Kraft. Drohnenpiloten haben dann bis Juni 2020 Zeit, sich auf die neuen Regeln einzustellen.

Alle Bereiche der EU-Drohnen-Regeln sollen bis 2022 wirksam und die Übergangsphase abgeschlossen sein. Die EASA hat dazu auch bereits einen detaillierten Fahrplan vorstellte, den wir kurz zusammenfassen möchten.

Oktober 2019

Die EASA wird neues Informationsmaterial zur Verfügung stellen, dass beschreibt, wie sich Drohnenpiloten in Zukunft regelkonform verhalten können. Außerdem wird das neue SORA Tool (Specific Operation Risk Assessment) vorgestellt, dass zur Bewertung nicht vordefinierter Flugmissionen Anwendung finden wird.

Außerdem können wir uns auf die ersten fünf vordefinierten Risikoprofile für die SPECIFIC Kategorie freuen:

  • Flüge über dünn besiedelten Gebieten
  • Flüge in unkontrolliertem Luftraum
  • Flüge in geringer Höhe
  • BVLOS-Flüge mit visuelle Risikovermeidung
  • Flüge im unkontrollierten Luftraum mit Drohnenabmessungen bis 3 m

Außerdem will die EASA einen Vorschlag für eine erste Änderungen (Durchführungsgesetz) veröffentlichen, dass zwei neue Szenarien ermöglicht, ohne dass Piloten sich vorher eine Genehmigung einholen, sondern lediglich eine Information an die zuständige Behörde geben müssen:

Urban VLOS Flüge:

  • VLOS in bewohnten Gebieten, wenn alle Anwesenden aktiv einbezogen sind
  • Unter 120 m AGL
  • Bis 3 m UAV-Größe

Rural BVLOS Flüge:

  • BVLOS-Flüge in ländlichen Gebieten mit Einsatz eines „Spotters“
  • Unter 120 m AGL
  • Bis 3 m UAV-Größe

Beide Punkte sind interessant, da sie in gewisser Weise mit aktuell geltendem Recht in Deutschland kollidieren.

Juni 2020

Ab Juni 2020 müssen alle Drohnen und Piloten zentral in einer Datenbank registriert werden. Die Registrierungsnummer muss dann (außen?) an der Drohne angebracht werden, so wie es in den USA bereits üblich ist. Diese Registrierung gilt für:

  • OPEN Category (Drohnen über 250g oder auch weniger 250g mit „Sensoren, die persönliche Daten aufzeichnen können –> Kamera, Mikrofon)
  • SPECIFIC Category (alle Drohnen, die in dieser Kategorie Flugmissionen durchführen)

Außerdem können ab Juni 2020 Flugmissionen der SPECIFIC-Kategorie beantragt und durchgeführt werden, sofern sie einem vordefinierten Szenario entsprechen (siehe oben) oder über das SORA-Tool bewertet wurden. Die Freigabe erteilt die Luftfahrtbehörde des Mitgliedsstaates.

Für Freizeitpiloten bedeutet der Juni 2020: Die OPEN Category kann ab sofort genutzt werden. Wir fassen noch einmal zusammen:

  • Drohnen bis 500g: Flug in Gebieten, wo erwartet werden kann, dass keine unbeteiligte Personen überflogen werden.
  • Drohnen bis 2 kg: Drohne muss 50 m seitlichen Abstand zu unbeteiligten Personen halten
  • Drohnen bis 25 kg: Die Drohne muss 150 m seitlichen Abstand zu Wohn-, Freizeit- und Industriegebiete halten und darf nur in einem Gebiet, in dem erwartet werden kann, dass während der gesamten Betriebszeit keine unbeteiligte Person überflogen wird, gestartet werden.

Juni 2021

Bis Juni 2021 müssen alle Mitgliedsstaaten der EU genau beschrieben haben, in welchen Gebieten der Aufstieg von Drohnen verboten ist. Das ist eine der größten Vorteile der EU-Drohnenregeln für Drohnenpiloten: Sie schafft deutlich mehr Transparenz für Drohnenanwender und zwingt die einzelnen Länder „No Fly Zones“ genau zu definieren. Es ist zu hoffen, dass die EASA / EU zu großen Verbotszonen in einzelnen Mitgliedsstaaten Einhalt gebieten wird.

Juni 2022

Die Mitgliedsstaaten können Regeln und Gesetze erlassen, die es Modellflugplätzen und Modellflugorganisationen erlauben, von den Vorschriften der EU Drohnenregeln in definierten Gebieten abzuweichen.

Der gesamte Übergangsprozess soll bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Wir halten euch an dieser Stelle über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden.

Was bedeute das für Piloten in der EU?

Mit den EU-Drohnen-Regeln versucht man auf höchster Regierungsebene einen Spagat zwischen Sicherheit der Bevölkerung und der kommerziellen Nutzbarkeit von Drohnen herzustellen. Vor allem in letzterem Segment hat Europa dringend Aufholbedarf. Andere Länder, wie die USA oder Japan, testen bereits die kommerzielle Anwendung von autonom agierenden Drohnen. Die beiden neuen Drone Acts schaffen die Rahmenbedingungen für BVLOS-Flüge nun auch im europäischen Luftraum. Das ist prinzipiell zu begrüßen.

Für Hobby-Piloten bedeuten die neuen EU-Drohnen-Regeln erneut eine Umstellung. Eine zentrale Registrierung und ein Online-Test sind für fast alle erhältlichen Drohnen dann Pflicht. Viele Teile der OPEN-Kategorie werden aber bereits durch die Drohnenverordnung in Deutschland abgedeckt (Versicherungsschutz, Flughöhenbegrenzung, Fliegen nur im freien Luftraum).

An einigen Stellen können die neuen EU-Regeln vielleicht sogar für Lockerung sorgen, so könnte die maximale Flughöhe von 100 auf 120 m angehoben werden – vorausgesetzt Deutschland gibt hier keine strikteren Werte vor. Der Kenntnisnachweis ab Drohnenklasse C1 ist ebenfalls in Ordnung – hier beschäftigen sich einige Piloten sicherlich nicht genug mit den geltenden Voraussetzungen. Die Frage ist hier viel mehr, ob die Zielgruppe, die die Schulung nötig hätte, sich überhaupt damit auseinandersetzen wird.

Aufgrund der Einschränkungen, die von einzelnen Mitgliedsstaaten trotz alledem erlassen werden können, stehen Piloten mit großer Wahrscheinlichkeit aber vor einer weiteren Einschränkung der ohnehin schon straffen Regeln.

Im schlimmsten Fall darf sich der Hobbypilot in Deutschland demnächst also nicht nur mit nationalem, sondern auch mit europäischem Recht auseinandersetzen.

In der Übergangsphase gilt aller Voraussicht nach weiterhin die Drohnenverordnung des BMVI.

Schlusswort

Wir hoffen, du hast nun einen guten Überblick über die Regelungen, die EU-weit auf uns als Drohnenpiloten zukommen werden.

Sollte dies der Fall sein, freuen wir uns darüber, wenn du den Artikel teilst. Bei Fragen oder Anregungen hinterlasse gerne jederzeit einen Kommentar.

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Quellen: BMVI, EASA, Bundesverband Copter Piloten e.V. (BVCP)

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

Hi, ich bin Nils! Ich bin leidenschaftlicher Modellbauer, Hobby-Fotograf, Akku-Liebhaber und RC-Pilot. Ich berichte hier über die neusten Entwicklungen in der Drohnen-Branche und kümmere mich um detaillierte Anleitungen, Guides und Testberichte.

9 Gedanken zu „Wissen: Alles über die neuen EU-Drohnen-Regeln 2019

  • Avatar
    30. April 2019 um 08:56
    Permalink

    Guten Morgen,

    ich habe einen Eigenbau DJI F550, 1.6kg mit FPV. Ich fliege hauptsächlich auf dem freien Feld in Sichtweite. Wenn ich mir das so durchlese, kann man dazu eigentlich kaum etwas sagen richtig?

    Gruss Marc

    Antwort
    • Nils Waldmann
      30. April 2019 um 09:04
      Permalink

      Guten Morgen Marc,
      nach den aktuellen Entwürfen, würde ich deinen Multicopter in die Kategorie C4 einordnen (weil Eigenbau und über 250g AUW). Du darfst damit dann in der OPEN Category A3 fliegen (in „weiter“ Entfernung von Menschen). Natürlich werden für dich und deine Möhre auch der Online-Test und eine Registrierung des Copters nötig werden. Was genau die EU sich hier vorstellt und wie das Ganze umgesetzt wird, wurde aber noch nicht spezifiziert.

      Mich würde nicht wundern, wenn sich die Regelung noch einmal ändert. So wie ich das sehen, kannst du aber weiterhin über den freien Feld fliegen, wenn alle anderen Voraussetzungen der Open Category eingehalten werden. Spannend wird, wie die einzelnen Mitgliedsstaaten die Regelungen weiter verschärfen. Da sind wir in Deutschland ja besonders gut drin. :) Einfache wird das Ganze sicherlich nicht, wenn die EU nun (auch noch) ihre Vorgaben macht.

      Ich hoffe, ich konnte dir helfen!

      Viele Grüße,
      Nils

      Antwort
  • Avatar
    30. April 2019 um 15:54
    Permalink

    Hallo Nils,

    danke, sehr aufschlussreich. Ich warte mit Erweiterungen meiner „Möhre“ erst mal ab bis wir Klarheit haben. Interessant werden noch die Versicherungsprämien.

    Vielleicht bau ich mir noch was in der Kategorie <250g.

    Mal sehen.

    Gruss Marc

    Antwort
    • Nils Waldmann
      30. April 2019 um 16:02
      Permalink

      Hallo Marc,

      ich denke die Versicherungsprämien werden sich nicht stark von dem unterscheiden, was wir jetzt schon für eine „normale“ Modellflugversicherung zahlen. Eher wird der Wettbewerb auf dem deutschen Markt noch zunehmen und die Preise sinken. Anders sieht das sicher im EU-Ausland aus, wo aktuell noch keine Versicherungspflicht herrscht. Hier könnte ich mir vorstellen, dass vor allem in der Anfangszeit ganz ordentliche Prämien verlangt werden.

      Aus meiner Sicht sind einige Grenzen der neuen EU-Regeln ein wenig willkürlich gewählt (wieso bis 900 g in der C1? Wieso nicht einfach 1kg?

      Ich habe das Abwarten aufgegeben – dann kommt man in diesem Hobby nämlich zu gar nichts mehr. :)

      Viele Grüße,
      Nils

      Antwort
  • Avatar
    11. Juni 2019 um 22:56
    Permalink

    Die 900g Grenze ärgert mich auch.
    Das heißt, Mavic 2 pro mit 907g ist C3.
    Vielleicht gibts dann ja bald ein modifiziertes Gehäuseteil mit 7g Gewichtseinsparung, oder etwas kleinere Batterien.
    Alternativ bleibt die Verschrottung der neuen Drohne nach 2 Jahren Übergangsfrist.
    DIe Hersteller werden sich freuen, die Verordnung bietet neues Absatzpotential für eine geringfügig leichtere Drohne.

    Antwort
    • Nils Waldmann
      12. Juni 2019 um 05:29
      Permalink

      Hallo Bernd,
      ja das ist tatsächlich ärgerlich. Wie man genau auf 900 g und nicht 1000 g gekommen ist, ist für mich ein Rätsel. Zum Glück geht es nur um 7 g. Die kriegt man schon irgendwie runter von dem Vogel. Aber schön ist das natürlich alles nicht.

      Ob die Hersteller das so toll finden, weiß ich gar nicht so genau. Immerhin verärgert eine neue Regulierung für die sie nichts können ihre Kunden. Und ob dieser einmalige Effekt (die Grenze wird ja nur einmal gesetzt) wirklich zu so viel mehr Absatz führt, wage ich zu bezweifeln. Die Leute werden ihre Drohnen einfach weiterfliegen – so einfach wird die Realität aussehen. :)

      Viele Grüße,
      Nils

      Antwort
  • Avatar
    11. Juni 2019 um 23:02
    Permalink

    Sorry, 907g sind natürlich C2 und nicht C3.

    Grüße
    Bernd

    Antwort
  • Avatar
    16. Juli 2019 um 00:55
    Permalink

    Naja, da lass ich mich mal überraschen ob das auch so bleibt, man kann ein Hobby auch tot regeln…

    Da werd ich mich wohl auf Drohnen unter 250gr. fest legen…

    Was die Realität angeht, wird wohl so sein, da Polizisten heutzutage in unserem Land wohl andere Probleme haben…. Ich werd mir meine Racing Drohnen nicht schlecht machen lassen auf meinem eigenen Grundstück, ich hab ja knapp 12.000qm zum austoben.

    Haltet die Ohren steif.

    Florian

    Antwort
    • Nils Waldmann
      16. Juli 2019 um 04:47
      Permalink

      Hallo Florian,

      da kann ich dir nur beipflichten. Du hast es aber gut. 12.000 qm, da kann man ja schon was schönes aufbauen!

      Viel Spaß und guten Flug,
      Nils

      Antwort

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