Aeroscope Scanner Mockup

Remote ID: Welche Daten übertagen DJI Drohnen?

Publiziert von Nils Waldmann

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Welche Daten verraten DJI Drohnen während des Fluges über die Drohne oder den Piloten? Wie hängt das mit Remote ID in der EU zusammen und was ist eigentlich DroneID? Diese Fragen klären wir für euch im folgenden Artikel.

Über das Thema Remote ID haben wir bereits viel berichtet. Wer sich einen allgemeinen Überblick zu der Fernidentifizierung von UAVs verschaffen möchte, dem empfehlen wir unseren Remote ID Guide.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit Remote ID speziell für DJI Drohnen. Wir möchten insbesondere darauf eingehen, welche Informationen Drohnen während des Fluges über euch und natürlich eure Drohne von Dritten aufgefangen werden. Wie sinnvoll das gesamte Thema ist, klammern wir an dieser Stelle aus – da gehen die Meinungen weit auseinander. Eine frühe Einschätzung zu Remote ID könnt ihr in unserem Kommentar zu der Technologie lesen.

Senden alle DJI Drohnen Positionsdaten aus?

Kurz für den Überblick: Bei Remote ID (kurz RID) geht es um das Übermitteln von Daten zu Position, Höhe, Geschwindigkeit und Identifizierungsmerkmale, sodass sich eine Drohne im Flug aus der Ferne von anderen Personen identifizieren lässt.

Diese Informationen werden von der Drohne per Funkt abgestrahlt und verraten so in nahezu Echtzeit, wo sich die Drohne gerade befindet. Außerdem lässt sich bei längerer Beobachtung natürlich so auch der gesamte Flugpfad aufzeichnen und auswerten.

Aeroscope Scanner Mockup

Lange Zeit war nicht klar, welche Informationen von DJI Drohnen neben den normalen Steuer- und Telemetriesignalen übertragen werden. Fakt ist: Alle oben genannten Informationen fließen natürlich ständig zwischen Drohne und dem Controller des Piloten hin und her. Unbekannt war hingegen lange, ob diese Informationen auch von Dritten gelesen werden können.

Dass dies technisch möglich ist, stand dabei außer Frage. DJI selbst hat mit dem sogenannten DJI Aeroscope sogar einen eigenen Remote-ID-Scanner im Angebot gehabt, der die Verfolgung von DJI Drohnen am Himmel erlaubt. Mittlerweile wurde das Produkt abgekündigt.

Über einen großen Zeitraum gab DJI aber gegenüber der Öffentlichkeit an, dass die dazu verwendeten Signale verschlüsselt sein. Das würde bedeuten, dass auch das Aeroscope die passenden Schlüssel hätte kennen müssen, um die Informationen der Drohne zu lesen. Wie das Unternehmen dann im April 2022 aber gegenüber The Verge zugab, waren und sind die sogenannten DroneID-Signale nie verschlüsselt gewesen.

Die Annahme besteht also, dass die meisten Drohnenmodelle von DJI (theoretisch seit der DJI Mavic Serie bzw. Einführung von OcuSync) entsprechende Informationen beiläufig übertragen haben. Verifiziert ist dies aber bis jetzt erst für einige wenige Modelle, wie die DJI Mini 2 oder die DJI Mavic Air 2. Die Sicherheitsforscher, denen die Entschlüsselung von DroneID gelungen ist, gehen davon aus, dass diese Signale bereits seit 2017 verwendet worden sind.

DroneID: Das proprietäre Remote ID von DJI

Das ist zwar prinzipiell kritisch, der erste öffentlich gemachte, erfolgreiche Versuch, DroneID abzufangen und zu dekodieren wurde aber erst im Februar 2023 publiziert. Die Software dazu nennt sich Drone-ID Receiver for DJI OcuSync 2.0 und kann über GitHub heruntergeladen werden. Die passende Empfangshardware ist mit deutlich über 1.000 Euro aber wohl nur für Personen interessant, die viel Spaß am Basteln haben.

Parallel dazu gibt es noch das Projekt DJI DroneID RF Analysis, welches die Signale von DJI Drohnen ebenfalls genau unter die Lupe genommen hat. Es bleibt also die Frage, ob in den Jahren davor ein Missbrauch der unverschlüsselten Signale überhaupt jemals stattfinden konnte. Konkrete Fälle haben wir während unserer Recherche nicht ausfindig machen können.

Bei Remote ID-Übertragungen werden die einzeln ausgesandten Datenpunkte (z.B. einmal pro Sekunde) auch als Frames bezeichnet. Ein RID-Frame trägt dann eine sogenannten Payload mit sich, die alle Daten enthält.

Bei DroneID wurden also bisher folgende Daten über den Flug abgestrahlt:

  • Seriennummer der Drohne
  • Längen- und Breitengrad der Position der Drohne
  • Höhe der Drohne
  • Orientierung (Grad nach Norden, Grad nach Osten, Grad nach oben)
  • GPS-Zeit
  • Längen- und Breitengrad der App (also des Piloten)
  • Längen- und Breitengrad des Home Points
  • Modell der Drohne
  • Länge der angegebenen UUID
  • Identifikationsnummer (UUID, falls angegeben)

Zusammengefasst: eine ganze Menge Informationen. Die UUID ließ / lässt sich im Übrigen direkt in der DJI GO 4 oder DJI Fly App eintragen und war stets optional. Die DroneID-Daten werden aber auch ohne eingegeben UUID übertragen (siehe Payload-Struktur).

Für die Zukunft dürfte DroneID aber eine eher untergeordnete Rolle spielen, denn es gibt bereits zwei Standards für Direct Remote ID (DRI), die sich in den USA und Europa schnell verbreiten dürften. Hier findet ihr eine Liste von DJI Drohnen, die dieses neue und „offiziell“ Remote ID unterstützen. In dem Artikel erfahrt ihr auch mehr über die beiden Standards an sich.

Remote ID für Drohnen mit Cx-Drohnenklasse

Die beiden offiziellen Remote-ID-Standards sind dabei eng an die nationalen Gesetzeslagen in der EU und in den USA geknüpft. In den USA gilt die neue RID-Pflicht schon seit 2022, die Übergangsfrist für die meisten Piloten endet im September 2023. Danach muss nahezu jeder Flug mit aktiviertem Remote ID erfolgen. Aus den USA kommt der Standard ASTM F3411-19.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass DJI seine aktuellen Modelle bereits fleißig mit der passenden Technologie ausstattet und viele DJI Drohnen bereits RID auf Basis der US-Anforderungen unterstützen.

Mavic 3 Cine C1-Label Propellerarm neu
Eine C1-Drohne von DJI (hier Mavic 3 Cine V2.0).

In Europa hält die Pflicht für Remote ID ein wenig durch die Hintertür Einzug. Sie gilt nämlich prinzipiell in der OFFENEN-Kategorie für alle Drohnen, die offizielle mit einer Drohnenklasse zertifiziert sind. Unterschiede gibt es hier geringfügig, je nach Drohnenklasse und Unterkategorie A1, A2 und A3.

Wie ihr euch hier richtig vorbereitet und dazu unter anderem eure e-ID in die Fly App eintragen könnt, erfahrt ihr in unserer Anleitung.

Kurz und knapp: Was in der Ära von DroneID im Hintergrund passiert ist, wird jetzt offiziell von EU-Vorgaben eingefordert. Aus Europa kommt dabei im Übrigen der DRI-Standard ASD-STAN prEN 4709-002.

Zusammenfassung: Zukünftig können alle Piloten in der EU, die eine offiziell zertifizierte Drohne (z.B. mit C1-Label) fliegen, davon ausgehen, dass die Drohne Remote ID Daten aussendet.

Eine Deaktivierung des Systems sowie eine Manipulation der Daten durch den Nutzer muss für die erfolgreiche Cx-Zertifizierung vom Hersteller ausgeschlossen werden. Dem Drohnenpiloten wird auf der anderen Seite die Prüfung der korrekten Funktionsweise des RID-Systems auferlegt.

Wie sind die Remote ID Daten strukturiert?

Wir haben uns einmal genau mit der Struktur dieser ausgestrahlten Informationen beschäftigt. Dazu haben wir eine DJI Mavic 3 Cine V2.0 verwendet, die eine Zertifizierung nach der C1-Klasse besitzt.

Generell sehen beide DRI-Standards sowohl die Verwendung von Bluetooth als auch speziellen WiFi-Verfahren für die Übermittlung von RID-Daten vor. Welche Art implementiert wird, obliegt dann – unter Einhaltung aller Vorgaben – dem Hersteller.

DJI setzt bei der Mavic 3 (und wahrscheinlich allgemein) auf sogenannte Wi-Fi Beacons. In 2020 stellte der Hersteller erstmals ein RID-System auf Basis der Mavic Air (1. Generation) vor, das noch auf Wi-Fi NAN (Neighbor Awareness Network) basierte.

Wi-Fi Beacon ist ein Standard, der von den meisten WLAN-Clients empfangen werden kann, weil er unter anderem auch zur Kommunikation verwendet wird, um etwa einem Smartphone überhaupt klarzumachen, dass sich in der Nähe ein WiFi-Hotspot befindet.

Die Mavic 3 Classic, Mavic 3 Cine V2.0 und Mavic 3 V2.0 nutzen dieselbe Technologie, nur eben, um ihre Remote ID Signale auszusenden.

Im Folgenden wollen wir ein RID-Frame genauer betrachten. Die Informationen wurden mit einer Android-Implementierung von Open Drone ID auf einem Samsung Galaxy S10+ aufgezeichnet.

Der RID-Frame im Detail

Ab hier wird es etwas technischer, aber nicht minder interessant. Im folgenden Schaubild haben wir die Details eines einzelnen Remote ID Signals / Frames für die Mavic 3 Cine V2.0 genauer für euch aufbereitet.

Infografik Remote ID Frame DJI Drohne
Infografik: Aufbau des RID-Frames der Mavic 3

Zu erkennen ist, dass der RID-Frame in mehrere Bereiche unterteilt ist. Generell werden alle Attribute in einem sogenannten Data Dictionary geführt. Diese Attribute werden dann – je nach Drohne – mit Daten gefüllt und in einzelne Messages (Nachrichten) verpackt und versandt.

Ein Remot ID Frame besteht dabei also immer aus einer festen Anzahl an Nachrichtenblöcken, die wiederum die eigentlichen Informationen enthalten.

Dabei sind folgende Messages für ASD-STAN prEN 4709-002 (EU) definiert:

  • Basic ID Message: Informationen über die Drohne, Drohnentyp und die Seriennummer
  • Location Message oder Vector Message: Positionsinformationen der Drohne
  • Self-ID Message: Frei wählbare Nachricht des Piloten (z.B. Beschreibung der Mission)
  • System Message: Informationen über den Piloten, die Mission und die Drohnenklassifizierung
  • Operator ID: e-ID des Piloten (in der EU), inklusive Validitätsprüfung des Formats der ID

Mithilfe dieser Daten lassen sich dann ohne Probleme sehr detaillierte Auswertungen über den Flug eines UAVs machen.

Die Mavic 3 macht (logischerweise) keinen Gebrauch von den Feldern, die Informationen zur Betriebskategorie oder dem Betriebsgebiet übermitteln. Diese Informationen müsste der Pilot natürlich vorab an irgendeiner Stelle eingeben und dafür gibt es derzeit noch keine Möglichkeit in der DJI Fly App. Diese Infos sind aber auch optional.

Ebenso übermittel die Mavic 3 in der EU kein Authentication Message-Paket, da dieses für den ASD-STAN DRI-Standard nicht definiert ist. Die Überprüfung der Gültigkeit der Operator ID (e-ID) findet vorab in der jeweiligen Anwendung auf Basis der dreistelligen PIN statt, die zu jeder e-ID gehört-

In Bezug auf die System Message haben wir mehrere Prüfungen durchgeführt. Hier scheint die Mavic 3 aktuell lediglich den Startpunkt (Home Point) zu übertragen. Auf Basis unserer Experimente findet eine direkte Übermittlung des Standortes des Piloten, also der GNSS-Standorts des Controllers (zumindest mit einer DJI RC Pro Firmware v03.01.1200, Fly App 1.9.4, Mavic 3 Cine Firmware v01.00.1000) derzeit nicht statt.

Die EU-Regelungen (EU 947/2019) sind hier „offen“ formuliert: Entweder der Standort des Piloten oder alternativ Koordinaten des Startpunktes müssen übertragen werden.

Schlusswort

Wir hoffen, euch hat dieser Artikel einen detaillierten Einblick gegeben, was bei DJI Drohnen in Bezug auf Remote ID hinter den Kulissen vor sich geht.

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Häufig gestellte Fragen

Übertragen DJI Drohnen immer ihre Position?

Ja, die Drohnen senden sogenannte DroneID-Signale aus, die auch die Position der Drohne preisgeben können.

Kann jeder einfach die Position meiner DJI Drohne sehen?

Das kommt darauf an. Wenn die Drohne einen offenen Remote-ID-Standard verwendet, ist das Signal theoretisch für alle Personen in Reichweite zu empfangen und lesebar.

Kann ich die Übermittlung der Position meiner Drohne deaktivieren?

Nein, mit Bordmitteln ist das nicht möglich.

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Nils Waldmann

Hi, ich bin Nils! Ich bin leidenschaftlicher Modellbauer, Hobby-Fotograf, Akku-Liebhaber und RC-Pilot. Ich berichte hier über die neusten Entwicklungen in der Drohnen-Branche und kümmere mich um detaillierte Anleitungen, Guides und Testberichte.

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3 Gedanken zu „Remote ID: Welche Daten übertagen DJI Drohnen?“

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    Das Thema Datenschutz spielt dann keine Rolle? Anonym ist man dann nicht

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      Hi Vigo,

      ich weiß genau, was du meinst und finde es selbst alles andere als gut. Stellt sich aber natürlich die Gegenfrage: Gibt es ein allgemeines Recht darauf, anonym den öffentlichen Luftraum zu nutzen? ;)

      Viele Grüße,
      Nils

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        Selbstverständlich. Mit dem Gleitschirm bin ich auch anonym.

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