Test: Eachine Aurora 100 Micro FPV Racing Quad

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Wer öfter auf chinesischen Einkaufsportalen unterwegs ist, ist mit Sicherheit schon einmal über Produkte der Marke Eachine gestolpert. Das Brand ist im FPV- und RC-Markt sehr aktiv und hat interessante Sets und Komponenten im Angebot. In diesem Artikel haben wir uns den neuen Aurora 100 Micro FPV Racing Quad genauer für euch angesehen.

Überblick

Der Trend zu immer kleineren Racern ist klar und deutlich erkennbar (Was ist FPV-Racing?). Für mich ist ein 100-mm-Quad beinahe die perfekte Größe: es passt alles in meinen Rucksack, der immer gepackt in der Ecke steht. Will man im Park fliegen, sind auch mehrere Micro FPV Racer ohne Probleme zu transportieren. Nachdem ich ja bereits den KingKong Smart 100 Racer mit Bürstenmotoren getestet habe, der für 1S-Lipos ausgelegt ist, durfte es dann doch gerne wieder etwas Schnelleres sein. Der Unterschied von einem 180er 4S Quad auf einen 100-mm-Frame an 1S ist doch deutlich spürbar. Auch die Bürstenmotoren sind Brushless-Motoren natürlich unterlegen. Nach einer kurzen Recherche habe ich mich dann für den Eachine Aurora 100 entschieden – und so viel kann ich bereits sagen – es nicht bereut! :)

Eachine Aurora 100 - Frontansicht

Lieferumfang

Waren RC-Sets aus China vor drei oder vier oft nicht mehr als eine kleine Plastiktüte, haben die Marken aus Fernost extrem viel dazu gelernt, wenn es um die Präsentation des Produktes geht. Der Eachine Aurora 100 kommt in einem bedruckten Karton und enthält eine Menge Zubehör. Auch eine vollständig bebilderte, farbige und auf Englisch (!) verfasste Anleitung ist mit dabei. Neben dem bereits vollständig montierten Aurora 100 FPV-Quad finden sich Ersatzpropeller, Werkzeug, einige Kunststoff-Standoffs, Schrauben und zwei Adapterkabel zur Verbindung mit dem Computer im Lieferumfang. Abgerundet wird das ganze durch eine Schaumstoff-Klebepads, die den Akku fixieren sollen. Auch ein 2S 450 mAh Lipo ist direkt mit im Paket enthalten.

Eachine Aurora 100 - Akku Eachine Aurora 100 - Lieferumfang

Technische Ausstattung

Die Ausstattung des Aurora 100 ist für die Größe beinahe als genial zu bezeichnen. Das einzige wirklich wichtige Auswahlkriterium neben der Micro-Größe (100 mm Motor-zu-Motor-Abstand) waren für mich die Brushlessmotoren. Der Aurora 100 setzt auf Motoren der 1104er-Baugröße mit 7500 kV (Umdrehungen pro Volt im Leerlauf). Als Flightcontroller kommt ein F3-Chip (STM32 F303 MCU) zum Einsatz, der auf Eachines eigener 6-DOF-FC (MPU6000) untergebracht ist. Diese enthält auch das integrierte OSD*. Zu der FC-Platine im 27×27-mm-Format gesellt sich die ESC-Platine. Hier hat Eachine vier ESCs integriert, die pro Kanal 10 A liefern können. Als Firmware kommt BL-Heli_S zum Einsatz, das heißt, die ESCs können mit Dshot600* angesteuert werden. Hier ist also nicht nur alles ziemlich klein und kompakt, sondern auch auf den Stand der Zeit! Meine erste FC-Platine sowie ein BL-Motor waren leider defekt, Banggood hat aber schnell und kostenlos Ersatz zugesandt. Eachine nennt seinen Platinenstapel im Übrigen „Minicube“. Als dritte und letzte Komponente ist der mitgelieferte Empfänger zu nennen. Hier kann der Käufer zischen FRSky, Flysky und DSM2/DSMX wählen. In allen Fällen ist auf der Receiver-Platine auch noch ein Buzzer integriert, welcher sich für mich bereits oft als hilfreich erwiesen hat. Das FPV-Setup ist in Sandwich-Bauweise ausgeführt. Hier paart Eachine eine 600 TVL 1/4″ CMOS-Kamera mit einem 48 Kanal VTX mit 25 mW. Die Kanal- und Bandwahl erfolgt über zwei Knöpfe. Als Antenne kommt eine „nackte“ Circular-Polarized-Varinate zum Einsatz, die flexibel mit einem kurzen Stück Kabel fixiert ist.

Eachine Aurora 100 - MiniCube Boards Eachine Aurora 100 - VTX und Antenne

Aufbau und Verarbeitung

Der Aurora 100 ist eine Mischung aus X- und H-Frame. Als Material kommt vollständig Kohlefaser zum Einsatz. Alle Platten sind 1,5 mm stark und selbst für die Kamerahalterung setzt Eachine auf CFK. Die Verarbeitung ist tadellos, Schnittreste oder unsaubere Kanten suchen sich vergebens. Zusammengehalten werden Top- und Bodenplatte mit vier Aluminium-Standoffs. Der gesamte Frame ist verschraubt. Für den Minicube setzt der Hersteller auf Kunststoffschrauben und -muttern. Die Motoren sitzten am äußersten Ende der Arme und sind somit nicht geschützt. Am hinteren Ende ist ein Balken mit vier ansteuerbaren LEDs integriert. Der Winkel der Kamera lässt sich in geringem Maße über die Klemmhalterung der FPV-Cam einstellen. In Sachen Propeller ist das Setup auf vierblättrige Bulnose-Props mit 50 mm Durchmesser ausgelegt (2035 Propeller*). Die mitgelieferten Propeller sind relativ weich und verzeihen auch kleinere Einschläge nicht wirklich. Durch die dezentrale Verschraubung mit zwei Schrauben lässt sich ein Propeller aber schnell und unkompliziert mit einem Innensechskantschlüssel tauschen.

Eachine Aurora 100 - Top-Plate Eachine Aurora 100 - Unterseite

Inbetriebnahme

Die Intebtriebnahme ist auch für RC-Anfänger dank der mitgelieferten Anleitung relativ einfach. Wer weiß, wie er einen Empfänger binden kann und schon einmal kurz das BetaFlight-Interface gesehen hat, wird mit dem Aurora 100 keine Probleme haben. Als Jeti-Besitzter war es für mich natürlich kein Zustand, den Aurora unangepasst zu lassen. :) Als erstes habe ich mir einen neuen Jeti-Micro-Empfänger mit gekürzten Antennen gebaut und somit die oberste Empfängerplatine von Eachine ersetzt. Damit fiel aber leider auch der Buzzer* weg, was keine wirkliche Option ist. Da die originale Receiver-Platine das Buzzersignal jedoch 1:1 von der FC-Platine bekommt, habe ich den Buzzer einfach mit ein paar langen Kabel direkt mit dem Flight Controller verbunden und liegend in der Front des Aurora 100 untergebracht. Als letztes Veränderung habe ich die Eachine FC noch für die Jeti EX-Bus Kommunikation (Überblick Jeti Protokolle) vorbereitet. Damit auch Telemetriedaten funktionieren, musste ich dazu noch einen Widerstand an den freien Serial-Port löten. Wie das Ganze funktioniert, habe ich eine separaten Anleitung für andere Jesi-Flieger beschrieben. Alles wieder zusammengebaut, kurzer Check der Low-Voltage- und Alarmparameter in BetaFlight, Setup der Kanäle und Telemetrie (nicht vergessen!) und Akku dran: Arm, Gas geben und tadaaa sie schwebt! :) Die Telemetriedaten kamen auch sofort auf meinem Sender an. Echt genial. :D

Eachine Aurora 100 - Jeti Nano Receiver

Maiden Flight

Für den Maiden Flight habe ich mir noch drei weitere Akkus besorgt. Da zu der Zeit der Bezug direkt aus China aufgrund von Transporteinschränkungen auf dem Luftweg zu unzuverlässig war, habe ich mich für ein 3er-Set von Amazon beschrieben. Es handelt sich um 2S-Lipos mit 700 mAh*. Einer der drei Akkus war nach den ersten Zyklen direkt hinüber, die anderen halten bis heute.

Eachine Aurora 100 - 4-Blatt BN Propeller

Zum Jungfernflug: Was soll man sagen… Brushless ist einfach eine andere Welt. Die 7500kV-Außenläufer* sind an 2S sehr aggressiv. Man bekommt mit dem Aurora 100 auf kompaktestem Wege eine ziemlich beeindruckende Flug-Performance. Die Anbindung der ESCs über Dshot600 macht den Racer sehr, sehr agil. Die Vierblatt-Bullnose-Props scheinen eine gute Wahl zu sein und harmonieren gut mit den hochdrehenden Motoren. Die Standard-PIDs habe ich bis heute drin – lag von der ersten Sekunde an super in der Luft. Die Rates habe ich natürlich entsprechend meines normalen Flugverhaltens hochgeschraubt und das Expo angepasst. Die Kamera macht bei Tageslicht gute Bilder, lediglich WDR fehlt mir persönlich bei starkem Gegenlicht ein wenig. Insgesamt ist die Leistung des Aurora 100 aber wirklich beeindruckend. Macht eine Menge Spaß damit durch den Park zu jagen :) Und dank des AUW von 106 g (meine Konfiguration) sollte man auch unseren Verkehrsminister nicht mit einer Registrierung der „Drohne“ belästigen müssen.

Fazit

Nachdem ich bereits wieder zu viele Wort über den Eachine Aurora 100 Micro FPV Racing Quad verloren habe, will ich das Fazit kurz fassen. Die Verarbeitung des gesamten Sets ist sehr gut. Das gleiche gilt für den durchdachten Aufbau und die technische Ausstattung. Die Konfiguration über BetaFlight ist kein Problem, alle Komponenten von FC, OSD* bis hin zu der LED-Leiste* funktionieren „out of the Box“. Der mitgelieferte Akku ist mit 450 mAh ein wenig klein, die zusätzlich erworbenen 700-mAh-Akkus* sind trotz des höheren Gewichtes die bessere Wahl in meinen Augen. Die Propeller sind ein wenig weich für meinen Geschmack, ich habe aber bereits Ersatz von einem anderen Hersteller gefunden, der ein wenig mehr einsteckt. Aktuell kostet der Aurora 100 knapp unter (!!!) 100 Euro. Für den Preis gibt es eigentlich kein Nachdenken. Für so wenig Geld so viel Flugleistung und Spaß ist schon wirklich eine super Sache. Nur fürabsolute Anfänger würde ich den Aurora 100 jedoch nicht empfehlen, dafür geht es an 2S-Lipos bereits zu doll zur Sache. ;) Vielen Dank fürs Lesen, bei Fragen und Anregungen gerne einen Kommentar hinterlassen!

 

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...studierter Wirtschaftsingenieur und Wirtschaftsinformatiker, leidenschaftlicher Modellbauer, Hobby-Fotograf, Akku-Liebhaber und freier Redakteur bei dem Computer-Onlinemagazin Allround-PC.com.

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