Wissen: Alles über ND- und PL-Filter für deine Drohne(In nur 15 Minuten gelesen)

Wer mit seiner Drohne Luftbildaufnahmen machen möchte, die qualitativ hochwertig aussehen und an Kino erinnern, stolpert früher oder später über optische Filter, die vor die Kamera der Drohne gesetzt werden. In diesem Artikel erklären wir dir, welche Arten von Kamerafiltern es gibt und wie du sie verwendest.

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In diesem Artikel beantworten wir die folgenden Fragen:

  • Wozu brauchst du einen Bildfilter für deine Drohne?
  • Wie kann eine Kamera die Bildhelligkeit beeinflussen?
  • Welche Arten von Filtern gibt es?
  • Wie verwendest du die verschiedenen Filter?
  • Ist ein Filter trotz manueller Kamerablende nötig?
  • Was bedeuten die verschiedenen Zahlen auf den Kamerafiltern?
  • Sind Filter nur für Videos oder auch für Fotos sinnvoll?

Wozu brauchst du einen Bildfilter für deine Drohne?

Die wohl offensichtlichste Frage wollen wir direkt zu Anfang klären: Wozu benötigst du an einer modernen 4K-Kamera überhaupt einen optischen Filter? Das Bild sieht doch super aus!

Kenko DJI Mavic Air Drone Filter on DroneBildquelle: Kenko
DJI Mavic Air Drohne* mit einem ND-Filter von Keko*.

Dazu müssen wir ein wenig weiter ausholen und in die Grundlagen der Fotografie eintauchen, die parallel auch für Videoaufnahmen gelten.

Kamerafilter für Drohnen verdunkeln in der Regel das Bild (so genannte ND-Filter, dazu später mehr). Ein Filter wird also dann verwendet, wenn es draußen sehr hell ist und du trotz starkem Sonnenlicht schöne Aufnahmen machen möchtest. Sie verhindern also eine Überbelichtung des Bildes, die Details verschluckt.

Wie kann eine Kamera die Bildhelligkeit beeinflussen?

Bevor wir genauer auf die einzelnen Filtertypen eingehen, wollen wir uns kurz damit beschäftigen, welche Faktoren die Helligkeit des aufgenommenen Kamerabildes beeinflussen.

Hier sind drei Komponenten zu nennen: Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors (ISO-Wert), Belichtungszeit und die Blende. Im Automatikmodus versucht eine moderne Drohnenkamera diese drei Werte immer so gegeneinander abzustimmen, dass das Bild optimal belichtet ist.

Betrachten wir die einzelnen Komponenten etwas genauer. Das hilft im Anschluss dabei, zu verstehen, wie die verschiedenen Filter wirken.

Der ISO-Wert (Sensorempfindlichkeit)

Die erste Komponente ist der sogenannte ISO-Wert, welche die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors angibt. Je höher dieser Wert ist, desto lichtempfindlicher reagiert der Sensor und desto stärker wird das Bild belichtet, d.h., desto heller wird das Bild.

Typischerweise können Drohnenkameras ISO-Werte zwischen 100 und 3200 verwenden. Die Kamera der DJI Mavic 2 Pro* geht sogar bis ISO 6400. Der hohe Wert bedeutet, dass die Kamera lichtempfindlicher ist. Sie kann also tendenziell auch bei sehr wenig Licht (Dunkelheit) noch Bilder aufnehmen, die anständig belichtet sind.

DJI Mavic 2 Pro DrohneBildquelle: DJI | ©
Der Kamerasensor der DJI Mavic 2 Pro Drohne* hat eine maximale Empfindlichkeit von ISO 6400.

So zumindest in der Theorie. Mit der Erhöhung des ISO-Wertes nimmt nämlich leider auch das Bildrauschen zu, welches sich als Körnung im Videobild bemerkbar macht.

Bei Tageslicht ist es deshalb zu empfehlen, den ISO-Wert so klein wie möglich zu halten. Damit erreicht der Sensor das beste Rauschabstandsverhältnis (SNR) und liefert die beste Qualität.

Für die Aufnahme von Videos und Fotos am Tag spielt der ISO-Wert deshalb eine eher untergeordnete Rolle und kann als Konstante angenommen werden. Wenn ihr den Automatikmodus eurer Drohnenkamera bei der Arbeit beobachtet, werdet ihr feststellen, dass in erster Linie die Belichtungszeit angepasst wird und der ISO-Wert relativ konstant bleibt (oder sich in einem sehr niedrigen Bereich verändert).

Interessant ist die Erhöhung des ISO-Wertes daher erst, wenn die Helligkeit des Bildes auf keinem anderen Weg mehr erhöht werden kann. Das heißt für dich, dass der ISO-Wert nur bei Dämmerung oder Dunkelheit angehoben werden muss.

Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit ist durch ihren Namen schon gut beschrieben. Sie gibt nämlich an, wie lange (wie viele Sekunden) jedes Bild belichtet wird. Das heißt, wie lange das Licht, welches durch das Objektiv/die Linse einfällt, auf den Bildsensor wirkt. Bei digitalen Bildsensoren passiert das natürlich elektronisch.

Für Videos gibt die Belichtungszeit die Belichtung jedes einzelnen Frames an. Typische Werte sind hier alles zwischen 1/8000 Sekunde (eine Achttausendstel-Sekunde) und 1/10 Sekunde.

Je länger ein Bild (ein einzelner Frame) belichtet wird, desto heller wird das Bild. Dabei ist zu beachten, dass 1/8000 s natürlich viel kürzer ist, als 1/10 s. Auch wenn die Zahl erst einmal „größer“ aussieht.

Die Blende

Der dritte Faktor im Bunde ist die sogenannte Blende des Objektivs der Drohnenkamera. Für die meisten Drohne aus dem Consumer Segment ist dieser Wert jedoch fix, da die wenigsten Drohnen im unteren Preissegment eine verstellbare Blende besitzen.

Die Blende begrenzt das einfallende Licht, das auf den Sensor trifft, mechanisch. Je nach dem, wie weit die Blende geöffnet oder geschlossen ist, kann mehr oder weniger Licht auf den Sensor treffen und das Bild wird entweder stärker oder weniger stark belichtet.

Die Blende lässt sich mit der Pupille des menschlichen Auges vergleichen. Je heller es ist, desto kleiner wird die Pupille (die Blende schließt sich), um weniger Licht auf den Sehnerv (den Sensor) einwirken zu lassen. Damit wird eine Überbelichtung verhindert und wir sehen auch bei Helligkeit gut. Andersherum funktioniert das Prinzip bei Dunkelheit. Je dunkler es ist, desto größer werden unsere Pupillen, um maximal viel Licht auf den Sehnerv treffen zu lassen. So können wir bei Dunkelheit ebenfalls sehen.

Die Pupille des Menschen ist eine Art BlendeBildquelle: Lohrelei | Pixabay License
Die Pupille des Auges funktioniert wie eine Blende.

Mit einer fixen Pupillengröße wäre der Mensch daher in der Lage, nur bei mäßiger Belichtung gut zu sehen. Starkes Licht und Dunkelheit würden sofort zur Über- oder Unterbelichtung des Bildes führen. Das gleiche gilt für Objektive/Kameras mit einer fixen Blende. Hier lässt sich die Helligkeit des Bildes also nur über den ISO-Wert oder die Belichtungszeit verändern.

Die Blende wird oft mit Werten wie „f/2.8“ oder „f/5.4“ angegeben. Diese Zahlen geben das Verhältnis zwischen Brennweite des Objektives in mm (f) und der sogenannten Blendzahl (k) an und ergeben den Durchmesser der sogenannten Eingangspupille (D) des Objektives – das ist der Durchmesser, der sich durch die Blendöffnung ergibt.

Ein Beispiel anhand der Hasselblad Kamera der Mavic 2 Pro* soll dies verdeutlichen. Die Kamera hat eine Blende, die sich von f/2.8 bis zu f/11 verstellen lässt. Die Brennweite des Objektives ist fix und beträgt 28 mm. Wir wollen nun den maximalen Durchmesser der Eingangspupille berechnen, der bei vollständiger Blendöffnung herrscht: \(D_{f2.8}=\frac{f}{k}=\frac{28 mm}{2,8}= 10 mm\). Diese beträgt im Falle der Mavic 2 Pro Kamera also 10 mm. Wenn die Blende vollständig geschlossen ist, sind es somit \(D_{f11}=\frac{f}{k}=\frac{28 mm}{11}= 2,5454 mm\) und es trifft weniger Licht auf den Sensor, d.h., das Bild wird dunkler.

Zusammenfassung unseres optischen 1×1

Fassen wir noch einmal schnell zusammen: Es gibt drei Komponenten, die bei einer digitalen Kamera die Helligkeit des Bildes bestimmen: 1) ISO-Wert, 2) Belichtungszeit und 3) Blende.

Alle drei Werte können im manuellen Modus unabhängig voneinander verstellt werden – vorausgesetzt, die Kamera besitzt eine verstellbare Blende. Nur die Blende wird tatsächlich mechanisch verstellt. Sensorempfindlichkeit und Belichtungszeit kann die Kamera elektronisch steuern. Im Automatikmodus versucht die Kamera alle zwei (oder drei) Werte so abzustimmen, dass das Bild optimal belichtet ist.

Welche Arten von Filtern gibt es?

Nachdem wir verstandene haben, welche Faktoren auf die Bildhelligkeit einwirken, wollen wir uns mit den verschiedenen Filterarten beschäftigen. Dazu gehen wir kurz auf die drei häufigsten Filtertypen im Drohnen- und Gimbalkamerabereich ein.

PolarPro Cinematographers Colletion Kamerafilter für DJI Mavic 2 DrohnenBildquelle: PolarPro
Ein Filterset für die DJI Mavic 2 Pro Drohne von Polarpro mit ND- und PL-Filtern.

ND-Filter

Wenn davon gesprochen wird, dass „man für seine Drohne einen Filter braucht, um gute Videos zu machen“, ist meist ein sogenannter ND-Filter gemeint. ND steht dabei für „Neutraldichtefilter“ oder „Neutral Density Filter“. Auch der Begriff „Graufilter“ meint dasselbe.

Ein ND-Filter ist ein speziell beschichtetes Glas, dass das einfallende Licht verringert, ohne dabei die Farbwiedergabe zu verfälschen. Ein ND-Filter senkt also die Lichtintensität, ohne dabei eine bestimmte Wellenlänge des Lichtes (einen bestimmten Farbbereich) zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Das Bild wird also nur dunkler, ansonsten bleibt es unverändert.

Dieser Filtereffekt wird im Übrigen durch die neutralgraue Einfärbung der Filterscheibe erreicht. Daher stammt auch der Begriff „Graufilter“.

PL-Filter / Pol-Filter / CPL-Filter

Die zweite Kategorie sind sogenannte Polarisationsfilter. Sie erlauben es, polarisiertes Licht zu absorbieren oder zu reflektieren, bevor es auf den Kamerasensor trifft.

Polarisiertes Licht untersteht mitunter beim Treffen des Sonnenlichtes auf Teilchen in der Atmosphäre, die das Licht in verschiedene Richtungen zerstreuen. Polarisationsfilter können bestimmte Teile dieser Streuung herausfiltern, um die Bildkomposition zu verändern.

Die Abkürzungen PL-Filter und Pol-Filter stehen beide für den Begriff Polarisationsfilter. Die Abkürzung CPL-Filter bedeutet „Circular Polarized“. Es handelt sich also um einen zirkularen Polarisationsfilter.

Bei dieser Art lässt sich die Filterscheibe durch ein Drehrad verstellen. Damit wird die Polarisationsebene verändert und je nach Einstellung verschieden polarisiertes Licht gefiltert.

UV-Filter

Der UV-Filter ist ein Standardfilter für Drohnenkameras. Viele Objektive haben bereits einen UV-Filter integriert. So ist beispielsweise der Standardaufsatz der DJI Mavic 2 Pro Drohne* ein UV-Filter.

Unter UV-Strahlung versteht man das für den Menschen nicht sichtbare Spektrum des Lichts, welches jedoch sehr wohl von Kamerasensoren aufgenommen werden kann. Ein UV-Filter (eigentlich ein UV-Sperrfilter) filtert dieses UV-Licht heraus. UV steht dabei für ultraviolett.

Dadurch kann ein Blaustich des Bildes verhindert werden, der aufgrund der Rayleigh-Streuung entsteht. Außerdem kann intensives UV-Licht zu Bildunschärfe führen (Chromatische Aberration / CA-Fehler).

Verlaufsfilter

Eine besondere Form des ND-Filters sind sogenannte Verlaufsfilter. Dieser Effektfilter besitzt die Eigenschaften eines normalen ND-Filters, nur das die Intensität diese Filterbeschichtung von oben nach unten abnimmt.

Somit wird die Intensität des Lichtes im oberen Bereich gedämpft und im unteren Bereich kommt das Licht beinahe ungefiltert hindurch.

In der Luftbildfotografie verwendest du einen Verlaufsfilter, um beispielsweise einen sehr dunklen Grund bei gleichzeitig sehr hellem Himmel zu filmen. Der Verlaufsfilter gleicht diesen Kontrastunterschied dann entsprechend aus.

Wie verwendest du die verschiedenen Filter?

Nachdem du nun weißt, was die einzelnen Filter bewirken, wollen wir gemeinsam betrachten, wie und vor allem wann du sie mit deiner Drohne oder deiner Gimbalkamera einsetzt.

ND-Filter – Für ein wenig Motion-Blur

Der einfachste Filter (nach dem UV-Filter) ist der Neutraldichtefilter. Er wird bei sehr hoher Lichtintensität verwendet, um die Belichtungszeit der Kamera erhöhen zu können.

Ein einfaches Beispiel

Lass uns das Ganze an einem Beispiel durchgehen: Deine Drohne hat eine feste Blende – sie kann also ihre Pupille nicht verengen/erweitern, wenn mehr oder weniger Licht auf die Kamera trifft. Die einzige Möglichkeit, die Helligkeit des Bildes zu senken, ist die Sensorempfindlichkeit zu reduzieren und die Belichtungszeit zu verkürzen.

Nun fliegst du an einem schönen Sommertag und machst Aufnahmen. Aufgrund der hohen Helligkeit ist der ISO-Wert bereits bei 100 und hat sein Minimum erreicht. Die Kamera kann die Helligkeit des Bildes nun also nur noch über die Belichtungszeit anpassen (die Blende ist bei deinem Objektiv ja fix).

In diesem Moment kommt es zu einem Problem, das sich später im Bildmaterial sichtbar macht: Die sehr kurze Belichtungszeit (nehmen wir 1/2000 s an) führt dazu, dass Bewegungen im Bild sehr mechanisch wirken. Das liegt daran, dass jeder Frame nur sehr kurz belichtet wird und dadurch die normale Bewegungsunschärfe (motion blur), die wir gewohnt sind, verschwindet.

Genau hier kommt der ND-Filter nun ins Spiel. Er senkt die Helligkeit des Gesamtbildes ab, bevor dieses durch das Objektiv auf den Sensor trifft. Die Kamera erhält somit also mehr Spielraum und kann die Belichtungszeit nun wieder erhöhen, um auf die gleiche Bildhelligkeit wie zuvor zu kommen. Das funktioniert im Übrigen auch alles im Automatikmodus der Kamera.

30 fps = 1/60 s, 25 fps = 1/50 s – die Faustformel

Es gibt eine einfache Faustformel, um das Videomaterial möglichst natürlich wirken zu lassen. Dazu wird die Stärke des ND-Filters so gewählt, dass der Nenner der Belichtungszeit (also 60 bei 1/60 s) der doppelten Framerate des Videos entspricht. D.h., wenn du mit 30 fps (Bilder pro Sekunde) aufzeichnest, dann sollte deine Belichtungszeit bei 1/60 s liegen. Sind es hingegen 25 fps, so solltest du auf 1/50 s kommen.

Um nun die richtige Stärke des ND-Filters zu finden, stellst du deine Kamera in den Automatikmodus und behältst die Belichtungszeit im Auge. In der Regel wird diese nun deutlich kürzer als die angestrebte 1/50 s oder 1/60 s sein. Nun setzt du deinem Kameraobjektiv verschiedene Filter in unterschiedlichen Stärken auf. Immer von schwach nach stark.

Der Filter, bei dem die Belichtungszeit am ehesten an die 1/60 herankommt, verwendest du. Das dabei entstehende Videomaterial wirkt nun sehr natürlich und Bewegungen weich.

Polfilter – weniger Spiegelung und bessere Kontraste

Polarisationsfilter (PL, Pol oder CPL) werden an der Drohne vor allem eingesetzt, um die Kontraste des Bildes stark zu erhöhen, wenn das Objekt im 90 Grad Winkel zur Sonne steht. Besonders die Betonung durch erhöhten Kontrast von Wolken ist ein bekannter Effekt, der durch Pol-Filter erzeugt wird.

Außerdem eliminieren Polarisationsfilter Reflexionen auf nichtmetallischen Flächen, wie z.B. Wasser oder Glasscheiben. So kann z.B. ohne Pol-Filter ein Fisch in einem Teich bei Sonnenschein nur schwer aufgenommen werden, weil die Wasseroberfläche das polarisierte Licht reflektiert. Mit einem Polfilter ist dies hingegen kein Problem. Hier verschwindet die Reflexion und der Fisch lässt sich klar aufzeichnen.

Foto durch einen PolarizationsfilterBildquelle: byrev | Pixabay License
Der Pol-Filter erhöht den Kontrast und entfernt Reflexionen von polarisiertem Licht.

Bei verstellbaren Polfiltern lässt sich die Polarisationsebene außerdem anpassen und somit bestimmen, welches Licht gefiltert werden soll.

Oftmals wirken Aufnahmen mit Polfiltern „episch“ und haben einen cinematischen Look. Das Material kann aber auch schnell bunt und unnatürlich wirken. Hier kommt es ganz auf den Einsatzzweck und den Geschmack an.

ND-PL-Kombinationsfilter

Im Drohnenbereich sind vor allem Kombinationsfilter aus ND- und PL-Filter beliebt. Dabei handelt es sich um einen normalen Graufilter mit vorgeschaltetem Polarisationsfilter. In Neutralstellung des Polfilters ist dieser nicht aktiv. Erst durch Drehung an der Pol-Filterschicht kommt der Polarisationseffekt zum Vorschein.

Diese Filter lösen das Problem mit der zu kurzen Belichtungszeit und ermöglichen außerdem, die Kontraste bestimmter Bildbereiche zu erhöhen und Spiegelungen zu vermeiden.

Ist ein Filter trotz manueller Kamerablende nötig?

Deine Drohne oder deine Gimbalkamera besitzt sogar eine mechanisch verstellbare Blende? Im Drohnenbereich kann das zum Beispiel die DJI Mavic 2 Pro*. Dann hast du einen Faktor mehr, mit dem du dir behelfen kannst.

Die Hasselblad Kamera der Mavic 2 Pro hat eine verstellbare Blende.

Theoretisch kannst du die Überbelichtung des Bildes also verhindern, in dem du die Blende der Kamera ganz schließt und so den Lichteinfall verringerst, um die Belichtungszeit im Zielbereich von 1/60 s zu halten.

Hier kommt nun eine Besonderheit hinzu, die wir oben noch nicht erwähnt haben. Wir bekommen mit dem Phänomen der „Beugungsunschärfe“ zu tun. Damit wird ein Schärfenverlust des aufgezeichneten Bildes beschrieben, der durch die Beugung des Lichtes an der Blende auftritt.

Bei stark geöffneter Blende (nehmen wir wieder die maximale Öffnung der Mavic 2 Pro* als Beispiel) von f/2.8 haben wir die maximale Schärfe des Objektivs bezogen auf den Fokuspunkt. Alles hinter und vor dem Fokuspunkt wird schnell unscharf (geringe Tiefenschärfe).

Wird die Blende hingegen ganz geschlossen (f/11) erreichen wir eine sehr hohe Tiefenschärfe. D.h., auch Objekte vor und hinter dem Fokuspunkt sind erkennbar. Gleichzeitig sorgt die Beugungsunschärfe aber dafür, dass die Gesamtschärfe des Bildes deutlich abnimmt und die wahrgenommene Qualität leidet.

In der Theorie hilft uns also die mechanische Blende durch immer weiteres Schließen, bei starkem Sonnenschein ohne ND-Filter filmen zu können, ohne dass die Belichtungszeit all zu kurz wird. Dafür nimmt dann aber die Schärfe ab, weil wir die Blende stark schließen müssen.

Das bedeutet für die Praxis: Jedes Objektiv – auch das der Mavic 2 Pro Kamera* – hat eine Art „Sweet Spot“ zwischen maximaler Schärfe und Tiefenschärfe. Meist ist das irgendwo zwischen „f/4″ und f/4.5“. Das kommt aber immer auf das Objektiv an.

Trotz der mechanisch anpassbaren Blende haben wir also nun auch für die Blende einen Zielwert, der einzuhalten ist, um nicht zu viel Bildschärfe zu opfern. Und wie machen wir das? Ganz einfach: Mit einem ND-Filter.

Grob gesagt: Bei starkem Tageslicht ISO auf Minimum setzen, Blende im manuellen Modus auf den Zielwert „f/4“ einstellen und dann erneut so lange die ND-Filter durchgehen, bis wir unsere angestrebte Belichtung von 1/60 s (oder was auch immer deine Framerate ist) erreichen. Fertig.

Was bedeuten die verschiedenen Zahlen auf den Kamerafiltern?

Nun haben wir schon mehrmals von verschiedenen Filterstärken gesprochen. Das bezieht sich auf die Stärke der Reduzierung der Lichtintensität von ND-Filtern.

Wir wollen uns deshalb noch schnell anschauen, wie die Stärke von Neutraldichtefiltern angegeben wird und was diese Angaben bedeuten.

Häufig liest du Dinge wie ND4, ND8, ND16, ND32. Die Zahl gibt dabei die Stärke der Filterleistung an und zwar als „Verlängerungsfaktor der Belichtungszeit“ bzw. „Bruchteil der ursprünglichen Lichtmenge“ – das ist dasselbe.

Klingt erstmal wieder kompliziert, ist aber ganz einfach: Ein ND1-Filter (den gibt es nicht), würde die Lichtmenge gar nicht beeinflussen. Ein ND4-Filter lässt nur ein Viertel des Lichtes durch den Filter. Das bedeutet, die Belichtungszeit kann vervierfacht werden, damit das Bild die gleiche Helligkeit wie die Kamera ohne ND4-Filter erreicht.

Beispielrechnung

Du filmst mit 25 fps und willst eine Belichtungszeit von 1/50 s erreichen. Ohne Filter zeigt deine Drohnenkamera gerade 1/200 s an. Durch Aufsetzen des ND4-Filters wird das Bild dunkler und zwar so, dass nur noch 1/4 des ursprünglichen Lichtes durch das Objektiv den Sensor erreicht. Somit passt die Drohne die Belichtungszeit an – und zwar um das Vierfache und wir erreichen 1/50 s (1/200 s * 4 = 1/50 s).

Die NDx-Werte lassen sich auch noch anders interpretieren: Jede Verdoppelung des ND-Wertes (also von ND4 auf ND8) entspricht der Verdunkelung einer Blendstufe (also das Schließen der Blende von beispielsweise „f/2.8“ auf „f/4“).

Die folgende Tabelle soll dir einem schnellen Überblick gegen:

ND-Nummer (x Belichtungszeit)Anzahl der BlendstufenAnteil der vorherigen Lichtmenge
ND421/4
ND831/8
ND1641/16
ND3251/32
ND6461/64
ND12871/128
ND1000 (ND1024)101/1024
ND2000 (ND2048)111/2048

Datenquelle: Angelehnt an Wikipedia.

Was muss ich mir wirklich merken?

Wenn du nicht davor zurückschreckst, vor jedem Flug schnell den richtigen ND-Filter durch Probieren herauszufinden, musst du dir nur eins merken: Je höher die NDx-Nummer (also ND4 vs. ND32) desto weniger Licht lässt der Filter durch.

Im Übrigen: Kombinationsfilter tragen oft Bezeichnungen wie ND8/PL oder ND32/CPL. Das sagt dann nichts anderes aus, als dass hier ein ND-Filter (ND8 oder ND32) mit einem Pol-Filter kombiniert wurde.

Ein reiner Polfilter trägt oft einfach nur die Bezeichnung PL, POL oder CPL. Hier gibt es keine verschiedenen Filterstärken.

Sind Filter nur für Videos oder auch für Fotos sinnvoll?

Bleibt abschließend die Frage zu klären, ob ND-Filter und Pol-Filter nur für Videoaufnahmen mit der Drohne sinnvoll sind? Oder machen sie auch für Standbilder Sinn?

In Bezug auf Polfilter ist das schnell beantwortet: Da diese Filter das Bild an sich verändern (Kontraste erhöhen, Farben satter erscheinen lassen) ist es prinzipiell egal, ob du diesen Effekt für deine Fotos oder Videos verwenden willst. Polfilter gehen also immer! :)

ND-Filter haben in der Luftbildfotografie ebenfalls ihre Berechtigung, für den normalen Drohnenpiloten aber sicherlich deutlich limitierter als beim Filmen. Denn beim Fotografieren von Standbildern tut uns eine geringe Belichtungszeit selbst bei 1/8000 s nicht weh. Es gibt ja keine Bewegung, die durch die kurze Belichtung unnatürlich werden könnte. Für normale Fotos mit der Drohne ist daher nicht unbedingt ein ND-Filter notwendig.

Trotzdem können ND-Filter für bestimmte Effekte sinnvoll sein. Stell dir vor, du willst am Tag ein Foto mit einer langen Belichtungszeit machen, sodass sich bewegende Objekte (Menschen oder Autos) verschwimmen.

Verwendung eines ND-Filters für Langzeitbelichtung am TagBildquelle: INKIE | Pixabay License
Ein starker ND-Filter erlaubt Langzeitbelichtung bei Tageslicht für den typischen Verwisch-Effekt.

Ohne ND-Filter wäre das nur bei Dunkelheit möglich, wenn die Belichtungszeit aufgrund der geringen Umgebungshelligkeit ohnehin bereits sehr hoch ist. Unsere Beispieldrohne, die Mavic 2 Pro*, kann dann bis zu 8 s belichten.

Um den gleichen Effekt bei hellem Tageslicht zu erreichen, kannst du einen sehr starken ND-Filter verwenden. Üblich sind hier ND1000 oder ND2000 Filter. Diese senken die einfallende Lichtmenge dann auf circa 1/1000tel bzw. 1/2000tel der ursprünglichen Lichtmenge ab. Damit verlängert sich die verwendbare Belichtungszeit entsprechend um das 1000- oder 2000-fache. So kriegst du auch Belichtungen im Sekundenbereich am Tag hin.

Wichtig: Wenn deine Filmkamera gleichzeitig deine FPV-Kamera (Was ist FPV?) ist, wird das Fliegen mit einem ND1000-Filter schwierig. Denn die Kamera muss viel zu lange belichten, um ein brauchbares Bild zu erzeugen, was hell genug wäre, damit man im Live-Feed etwas darauf erkennt. Hier heißt es also auf Sicht fliegen und knipsen. ;)

Zusammenfassung

Wir hoffen, dir hat dieser Wissensartikel zum Thema Kamerafilter weitergeholfen und du weißt nun, welchen Filter du wann verwenden solltest.

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Quellen: ND-Filter, Polarisationsfilter, Blende

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Bildquellen

Nils Waldmann

Nils Waldmann

Hi, ich bin Nils! Ich bin leidenschaftlicher Modellbauer, Hobby-Fotograf, Akku-Liebhaber und RC-Pilot. Ich berichte hier über die neusten Entwicklungen in der Drohnen-Branche und kümmere mich um detaillierte Anleitungen, Guides und Testberichte.

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