Test: DJI OSMO+ Gimbal Action-Kamera

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In diesem Testbericht sehen wir uns ein Produkt an, das nur entfernt etwas mit Drohnen und Multicoptern zu tun hat. Die Gemeinsamkeit liegt beim Hersteller. DJI verkauft das Zenmuse X3 Kamera-Gimbal nämlich auch für den Betrieb am Boden – als Actioncamera.

Übersicht

DJI ist bekannt für seine Drohnen und verschiedene Produkte aus dem Bereich der professionellen Videoproduktion. Die bekannte DJI Inspire Drohne*, die aktuell bereits in der zweiten Generation auf dem Markt ist, wurde ursprünglich mit einer 3-Achsen-Gimbal-Kamera ausgeliefert, das auf den Namen DJI Zenmuse X3 hört. Bei DJI sind Kamera und Gimbal-Aufhängung dabei immer ein Modul, daher auch der Name „Gimbalkamera“. Als optionales Zubehör gab es dann einen Handgriff namens „OSMO*“ mit Akku und Smartphone-Halterung zu kaufen, der es ermöglichte, die Zenmuse X3 Gimbal-Kamera von der DJI Inspire Drohne abzunehmen und als unabhängig funktionierende Videokamera für stabilisierte Aufnahmen am Boden zu verwenden. DJI hat die OSMO-Produktreihe mittlerweile als eigenständiges Produkt etabliert und verkauft diese als Actioncams mit Gimbalfunktion – ganz ohne Verbindung mit einer DJI Drohne.

DJI OSMO+ Gimbal Cam - Zenmuse X3 Zoom Kamera

Das Herzstück des DJI OSMO+ ist die Zenmuse X3 Zoom Gimbalkamera. 

In diesem Artikel wollen wir uns die besser ausgestattete Variante des DJI OSMO angucken, welche auf den Namen DJI OSMO+* hört und mit dem neuen Zenmuse X3 ZOOM Gimbal* mit optischem Zoom ausgestattet ist. Es gibt außerdem noch das DJI OSMO Pro* und das DJI OSMO Raw für alle, die es wirklich wissen wollen. Für tolle Aufnahmen im Urlaub oder YouTube reicht das OSMO+ aber wohl den meisten Hobby-Kamerafans aus.

Einsatzbereich und Kaufgrund

Eines muss von Anfang an klargestellt werden: Das DJI OSMO+ ist keine Actioncam im klassischen Sinne. Klar kann man das Gerät auch zu Action geladenen Events mitnehmen und hier tolle stabilisierte Videos aufzeichnen, die Robustheit einer GoPro Hero 6* bringt das OSMO+ aber nicht mit. Das ist schon aufgrund des ausladenden Smartphone-Halters und der Gimbal-Mechanik gar nicht wirklich möglich.

DJI OSMO+ Gimbal Cam - In Transporttasche

Im Lieferumfang des OSMO+ befindet sich eine tolle Transporttasche.

Angeschafft wurde das OSMO+* in unserem Fall zur Aufzeichnung von Videos und Bildern im Urlaub. Es war ein erster Versuch, ob eine 4K-Videokamera mit 1/2.3” CMOS-Sensor auch in Sachen Fotos für schnelle Schnappschüsse ausreichend ist.

Ausstattung und technische Daten

Nur kurz wollen wir auf die Ausstattung des OSMO+ eingehen. Die wichtigsten Daten finden sich auf der DJI Homepage. Das OSMO+ kann Videos in 4K bei maximal 30fps aufnehmen, C4K sind mit bis zu 25 fps möglich. Wer auf Zeitlupen steht, der kann in Full-HD mit bis zu 100 Bildern die Sekunden aufzeichnen. Geschrieben wird auf eine microSD-Karte*, die direkt in den Kamerakopf eingeschoben wird und schnell genug sein sollte, um auch höhere Bitraten verzögerungsfrei schreiben zu können. Leider ist das Zensus X3 ZOOM* auf maximal 60 MBit/s Videobitrate beschränkt. Die neue DJI Mavic Air Drohne* kann bereits mit 100 MBit/s aufnehmen, was deutlich mehr Videodetails ermöglicht. Die DJI Gimbalkameras der X5- und X7-Serie* schaffen natürlich auch mehr. Fotos werden mit maximal 12 MP aufgezeichnet, dabei stehen noch Modi wie Auto Panorama, Selfie Panorama oder 9-Shot Panorama zur Verfügung.

DJI OSMO+ Gimbal Cam - Timelape Betrieb

Zusammengeklappt ist das OSMO+ Gimbal sehr kompakt.

Interessant in Verbindung mit der OSMO Base*, einem kleinen Standfuß aus Kunststoff, ist der Timelapse- und Motion Timelapse-Modus in dem das OSMO+ voreingestellte Punkte im Bild abfährt und dabei ein Timelapse-Video (Zeitraffer) erstellt. Leider hat dieser Modus einen großen Nachteil, doch dazu später mehr…

Handhabung und Verwendung des OSMO PLUS

Das OSMO+* ist zwar auch ohne Smartphone einsatzfähig, dann aber stark in seiner Funktion und Nützlichkeit begrenzt. Ein Smartphone mit einem großen Display ist hier also klar zu empfehlen. Man kann sogar so weit gehen und sagen: ein günstiges Android Smartphone mit großem Display und gutem Akku ist ggf. eine Überlegung wert, wenn man sein Smartphone ansonsten viel nutzen will (wir haben daher eine günstiges ZTE Blade V8* genutzt). In der Halterung eingespannt ist das ständige Einsetzen und Herausnehmen auf Dauer nämlich nervig. Eingesetzt lässt sich das Telefon aber nur schlecht bedienen, hier hat das OSMO-Konzept eine Schwäche. Wer also dauernd im Urlaub in den sozialen Medien herumhängt, der benötigt ein zweites OSMO-Smartphone, um anständig arbeiten zu können.

DJI OSMO+ Gimbal Cam - Joystick

Der Joy-Stick erlaubt die genaue Positionierung des Kamerakopfes.

Das Zusammenbauen des OSMO+ aus der hochwertigen Tragetasche*, welche sich im Lieferumfang befindet, geht in knapp 2 Minutne vonstatten. OSMO+ herausnehmen, Gimbal in allen Achsen entriegeln, Smartphone-Halterung ausklappen, Smartphone einsetzen und anschalten. Am längsten dauert meist das Verbinden von Smartphone und OSMO+ via WLAN. Auch die DJI Go 4 App macht unter Android manchmal Zicken und erkennt das OSMO+* nicht direkt beim ersten Mal. Hier hilft dann nur ein Neustart der App. Sind beide Geräte aber einmal verbunden, ist die Verbindung sehr stabil. Auch in Gegenden mit über 60 WLAN-Netwzerke in der iPhone-Liste war der Live-Videofeed stets stabil.

Aufzeichnungsqualität des X3 ZOOM

Wer sich schon ein wenig mit Gimbals beschäftigt hat, wird mitbekommen haben, das DJI in dieser Technologie einen guten Ruf genießt. Die Stabilisierungsfunktion des OSMO+* beim Aufzeichnen von Videomaterial ist daher – wenig verwunderlich – auch aller erster Güte. Butterweich schwebt die Kamera durch die Welt. Wer zuvor nur mit einer nicht stabilisierten Actioncam unterwegs war, wird begeistert sein. Auch wenn Videomodi wie Slow-Motion, usw. im ersten Moment toll klingen, im Endeffekt kam es bei unserem Einsatz darauf an, dass der einfache Videomodus gut funktioniert – und das tut er.

DJI OSMO+ Gimbal Cam - Rückseite

Auf der Rückseite der Kamera ist der kleine Lüfter zu erkennen.

Bei Tageslicht sind die Videos extrem sauber, der Autofokus der Kamera arbeitet erstaunlich genau. Bei weniger Licht fängt das Bild an leicht zu rauschen, das X3 ZOOM ist aber mit F2.8 im Weitwinkel auch nicht super lichtstark. Die Ergebnisse bei Dämmerung oder in einer gut ausgeleuchteten Fußgängerzone sind aber trotz allem sehr sehenswert.

Da das X3 ZOOM* eine fixe Blende hat (je nach Zoom-Position), die sich nicht aktiv beeinflussen lässt, kann es Sinn machen, bei sehr hoher Lichtintensität einen ND-Filter zu verwenden. Wir haben einfach einen variablen ND-Filter* aufgeschraubt, welcher sich je nach Lichtverhältnis durch Drehen anpassen lässt. So verhindert man effektiv die Überbelichtung des Bildes.

Negativ ist letztendlich nur der Timelapse-Modus aufgefallen. In der Handhabung genial gemacht und extrem cool beim Zusehen, wie das OSMO+* den Zeitraffer erstellt und sich dabei langsam entlang der gesetzten Markierungen bewegt, ist das Resultat ernüchternd. Das liegt gar nicht einmal an einer schlechten Aufnahmequalität an sich, doch leider werden die Bilder nicht als 12 MP DNGs abgelegt, sondern als komprimierte jpgs. Auch das von der APP gerenderte Video (was je nach Smartphone gerne etwas dauern kann – gleiches gilt für Panoramen) ist nur mit 720p aufgelöst. Von einer Kamera, die mit nativen 12 MP Einzelfotos aufnehmen kann, ist mehr zu erwarten. Wenn schon das Smartphone via APP nur ein 720p-Video rendert, dann sollte es dem Anwender doch wenigstens möglich sein, am Rechner aus den Einzelbildern ein hochauflösendes Timelapse-Video erstellen zu können, welche sich vorher anständig entwickeln lassen. Da hier aber JPGs gespeichert werden, ist diese Option nicht gegeben.

DJI OSMO+ Gimbal Cam - Timelapes Betrieb Einzelbild auf Elba Sonnenaufgang

Ein Einzelbild aus einer Timelapse-Serie bei Sonnenaufgang. Leider nur als JPG – nicht als DNG – abgreifbar.

Der große Unterschied zum normalen DJI OSMO (ohne Plus)* liegt in der Verwendung des X3 ZOOM Gimbals mit 3,5x optischen Zoom. Damit lassen sich coole Perspektiven ohne Qualitätsverlust (digital Zoom) einfangen. Im Endeffekt hat sich aber während unseres zweiwöchigen Tests gezeigt, dass diese Funktion in Verbindung mit Videoaufnahmen eher weniger verwendet worden ist. Dafür ist der Zoom beim Schießen von Fotos sehr praktisch. Man bekommt hier zwar kein Teleobjektiv (das OSMO+* deckt eine Brennweite von 22 – 77 mm) ab, für einige Aufnahme ist der optische Zoom aber trotzdem sehr nützlich. Zumal er sich über den tollen Joystick am Griff des Gimbals einfach steuern lässt.

DJI OSMO+ Gimbal Cam - 9-Shot Panorama Elba

Ein 9-Shot-Panorama aus der Hand mit dem DJI OSMO+. Unten in der Mitte sieht man mich als Schatten. :)

Das Leben mit dem OSMO+ im Urlaubsalltag

In der Verwendung ist das DJI OSMO+ im Endeffekt äußert unkompliziert. Nach zwei Wochen intensivem Einsatz mit insgesamt vier Akkus, die am Ende des Tages immer leer waren, hat sich das OSMO+ im Großen und Ganzen ordentlich geschlagen. Die meiste Zeit baumelte es dabei am Handgelenk an der mitgelieferten Schlaufe. Im Restaurant verbrachte es seine Zeit meist stehend in der OSMO Base*, welche unbedingt zu empfehlen ist. Leider besitzt das OSMO+ kein 3/4″-Gewinde, sodass auch kein anderes Stativ verwendet werden kann. Es gibt eine Halterung, die es ermöglicht das OSMO+ auf ein Stativ zu schrauben, diese ist aus unserer Sicht aber unnötig kompliziert und vor allem teuer.

DJI OSMO+ Gimbal Cam - Bei der Arbeit

Das DJI OSMO+ beim Erstellen eines Timelapse-Videos auf Elba, Italien.

Das Aufwachen des Smartphones (samt APP) und des Gimbals geht flott. Man ist also in unter 10 Sekunden aufnahmebereit. Es ist lediglich zu beachten, dass das Verriegeln des sehr leichtläufigen Brushless-Gimbals bei längeren Transportstrecken (auch am Handgelenk) zu raten ist. Ansonsten bewegt sich die Kamera im Gimbal ständig hin und her und schlägt mitunter unsanft an den Endpunkten an. Das sollte man vermeiden.

Toll ist natürlich der Selfie-Modus, der durch zweifaches Antippen der vorderen Taste die Kamera auf den Träger richtet und schnelle Schnappschüsse ermöglicht. Videos kann man so auch aufzeichnen, es muss aber bewusst sein, dass die minimale Fokusdistanz des OSMO+* bei 50 cm liegt. Das klingt erst einmal nach nicht viel, wer aber nicht den ganzen Tag mit einem ausgestreckten Arm herumrennen will, um sich selbst scharf im Bild zu haben (oder VLOGS) zu erstellen, für den sind diese 50 Zentimeter zu viel.

DJI OSMO+ Gimbal Cam - Timelapes Betrieb auf Elba

Arbeit zur frühen Stunde – Timelapse Aufnahmen bei Sonnenaufgang mit dem OSMO+.

Ein weiteres Problem ist der Ton. Das integrierte Mikrofon des X3 Zoom* ist gelinde gesagt: unbrauchbar. Da die Kamera aktiv gekühlt wird (im hinteren Teil sitzt ein kleiner Lüfter, welcher bei längeren Aufnahmen oder an heißen Tagen läuft), nimmt das interne Mikrofon das Lüftergeräusch vollständig mit auf. Auch ist der Pegel sehr niedrig. DJI hat dieses Problem erkannt und ein kleines Kabel-Mic* beigelegt, welches sich nach vorne gerichtet in den OMSO-Griff stecken lässt. Damit sieht das OSMO+ dann aus, als hätte es vergessen die Hose zuzumachen ;) Dafür ist der Ton annehmbar und auch Windgeräusche werden zu einem gewissen Grad herausgefiltert. Problem: Das Mikrofon ist am Griff fixiert, d.h. es dreht sich nicht mit in Richtung Gimbalträger, wenn der Selfie-Modus aktiviert wird. Ton wird daher nur extrem leise aufgenommen, wenn man sich selber filmen möchte. Eigentlich schade.

Fazit

Was bleibt also über die DJI OSMO+ Gimbalkamera* zu sagen? Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben. Hier bekommt der Käufer eine gut Qualität, das Gimbal läuft butterweich. Gleiches gilt für die 4K-Aufnahmen bei Tageslicht. Die Videos werden toll, die Stabilisierung ist genial. Jeder, der sich das Material später noch einmal angucken darf / muss (egal ob die Familie oder beim Schnitt), wird dankbar sein, dass ihr nicht mit einer nicht stabilisierten GoPro unterwegs wart. Die Bedienung ist toll und sehr leicht erlernt.

Die kleinen Grabenkämpfe zwischen Smartphone / App und OSMO+ sind meist schnell ausgetragen, der Live-Feed ist dauerhaft stabil. Die Akkulaufzeit ist okay. Mit einem Akku kann man circa 45 Minuten bis 1h lange durchgehend filmen, wenn man das Gimbal nicht gerade beim Motocross verwendet. Hinweis: Ersatzakkus sind Pflicht: DJI verkauft diese in zwei Kapazitäten. Einmal gibt es einen OSMO Akku mit 960 mAh*, die andere Akkuvariante hat 1225 mAh Kapazität. Ansonsten sind die Akkus in der Funktion identisch.

Als Negativpunkte sind der Ton (ohne DJI FlexiMic*) und  die fehlende Ausrichtung des externen Mikrofons bei Selfie-Aufnahmen anzuführen. Auch das Verwenden des „Haupt-„Smartphones als Steuergerät ist in unseren Augen oft umständlich. Die OSMO Base* sollte zum Lieferumfang gehören und ist beinahe Pflichtzubehör. Der Timelapse-Modus ist genial gemacht und die Aufnahmen werden toll – leider ist die starke Reduzierung der Auflösung im Endprodukt ein echter Minuspunkt.

Insgesamt lässt sich aber sagen, dass das DJI OSMO+* ein extrem cooles Gadget ist, was auf unserem Trip durch die Toskana viel Aufsehen erregt und neugierige Blicke auf sich gezogen hat. Und wenn man ehrlich ist: Das aufgezeichnete Material ist richtig toll geworden! :)

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...studierter Wirtschaftsingenieur und Wirtschaftsinformatiker, leidenschaftlicher Modellbauer, Hobby-Fotograf, Akku-Liebhaber und freier Redakteur bei dem Computer-Onlinemagazin Allround-PC.com.

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