Test: Moment Anamorphic Lens für Mavic 2 Pro

Die Moment Anamorphic Lens: Ein anamorphes Objektiv für eine Drohne. Willkommen in der „Endstufe“ der Luftbild-Videografie. Wir haben uns das neue Spezialobjektiv für die Macvic 2 Pro Drohne genau angesehen.

Die meisten von euch werden wohl noch nie von einem anamorphen Objektiv gehört haben. Oft werden diese Speziallinsen auch als Anamorphot oder Anamorphoskop bezeichnet. Die Technik stammt aus der Kinofilmindustrie und ist in der Regel nur sehr, sehr viel teureren Kameras und Optiken vorbehalten.

Mit der neuen Anamorphic Lens für die DJI Mavic 2 Pro Drohne bringt der US-Hersteller Moment erstmals ein anamorphisches Objektiv für eine semiprofessionelle Drohne auf den Markt. Extrem spannend und auch der Grund, wieso wir euch diesen Test präsentieren.

Am Anfang des Testberichtes möchten wir euch darüber informieren, dass das Produkt direkt vom Hersteller für einen Test zur Verfügung gestellt wurde. Diese Tatsache hat aber keinen Einfluss auf die Objektivität unserer Meinung / das Testergebnis.

Was genau ist anamorphe Bildaufzeichnung?

Um zu verstehen, was das neue Produkt von Moment genau bewirkt, müssen wir uns zunächst mit der anamorphen Bildaufzeichnung beschäftigen.

Draufsicht auf die Anamorphic Lense
Die Anamorphic Lens von Moment in der Draufsicht.

Als anamorph wird ein aufgezeichnetes Video bezeichnet, dass in mindestens einer Bildachse gestaucht oder verzerrt wurde. Dazu kommen spezielle Linsen zum Einsatz, die in mehreren Gruppen zu einem anamorphischen Objektiv (engl. anamorphic lens) zusammengeführt werden.

Ganz korrekt ist die Bezeichnung „Objektiv“ in diesem Zusammenhang nicht, da das Anamorphoskop eigentlich noch vor das eigentliche Objektiv auf die Kamera gesetzt wird. Es verzerrt das Bild also bevor es durch das Objektiv auf den Kamerasensor trifft.

Stauchen? Verzerren? Klingt erst einmal nicht so gut, oder? Stimmt. Um zu verstehen, wieso man anamorphe Bildaufzeichnung verwendet, müssen wir uns erst mit den gängigen Seitenverhältnissen des Bildes im Videobereich vertraut machen.

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Wie funktioniert ein Anamorphoskop?

Gängig sind Formate wie 4:3 oder 16:9. Im Kinobereich kommt auch häufig das 2:40:1-Format zum Einsatz („Cinemascope“). Charakteristisch dafür sind die schwarzen Balken an der Ober- und Unterseite des Bildes sowie der breite Bildbereich (Weitwinkel).

Wer diesen cinematischen Look mit einer 16:9-Kamera nachahmen möchte, kann in der digitalen Videobearbeitung einfach oben und unten zwei schwarze Balken über das Material legen. Dabei geht dann natürlich Bildinhalt verloren. Eine andere Alternative wäre, ein 16:9-Video bildfüllend in einem 2,40:1-Projekt zu skalieren. Auch dabei geht logischerweise Bildmaterial verloren.

Funktionsschema eines Anamorphoskop.

Ein anamorphisches Objektiv setzt genau hier an. Es verzerrt die Höhe und die Breite des Bildes so, dass das berühmte 2,40:1-Format auf einen 16:9-Sensor aufgezeichnet werden kann.

Das so entstehenden Video kann dann in einem Videoschnittprogramm entsprechend auf das 2,40:1-Format entzerrt werden. Heraus kommt ein perfekt skaliertes Bild inklusive schwarzer Balken (in einem 16:9-Projekt), ohne dass Bildinformationen in der Höhe verloren gehen bzw. sodass mehr Material in der horizontalen abgebildet wird.

Diese digitale Entzerrung ist heute dabei auch für Heimanwender möglich. Früher wurde anamorphes Filmmaterial mithilfe eines Anamorphoskopes aufgezeichnet und musste im Kino auch mithilfe eines umgekehrten Anamorphoskopes vor der Linse des Projektors wieder entzerrt werden. Dieser Schritt ist heute zum Glück nicht mehr notwendig.

Wer sich für dieser Verfahren interessiert ist aber wohl ohne Frage schon weit in seiner cineastischen Drohnenkarriere vorangeschritten.

Was bedeutet das Stauchungsverhältnis?

Das so genannte Stauchungsverhältnis ist der Faktor, um den das Bild durch die Anamorphic Lens verzerrt oder besser gestaucht wird.

Gängige Faktoren sind hier 2x und 1,5x sowie 1,33x. Man kann sich diesen Faktor folgendermaßen vorstellen:

Ein Stauchverhältnis von 1,33x macht aus einem 4:3-Bild ein 16:9-Format. Die Rechnung dazu ist ganz einfach: 4/3 = 1,3333 und 16/9 = 1,77778. Das 16/9-Bild muss also um 1,777778 / 1,33333 = 1,33x gestaucht werden, um auf einen 4:3-Film zu passen.

Die Moment Anamorphic Lens im Detail

Nachdem wird nun grob verstanden haben, was ein anamorphes Objektiv überhaupt macht, werfen wir nun einen Blick auf die Anamorphic Lens von Moment.

Das Objektiv wurde speziell für die DJI Mavic 2 Pro Drohne mit ihrer 1-Zoll-Kamera entwickelt und auf diese abgestimmt.

Geliefert wird das Produkt in einer stabilen Kunststoffbox, die bis unter den Rand mit Schaumstoff ausgekleidet ist.

Darin befinden sich das anamorphische Objektiv sowie das Gegengewicht für das Gimbal der Drohne.

Dieses ist notwendig, da das Objektiv nach vorne relativ stark aufträgt und die Gimbalmotoren der Nick-Achse somit alleine überfordern würde. Mit dem Ausgleichsgewicht wird die zusätzliche Masse der Linsen ausgeglichen und die Anamorphic Lens ist perfekt ausbalanciert.

Auch eine Schutzkappe für die Vorder- und Rückseite des Objektives ist dabei.

Der anamorphe Effekt ist schon auf den ersten Blick zu erkennen, wenn man durch das Objektiv schaut. In der Mitte ist die stauchende Linsengruppe sichtbar. Außerdem hat die gesamte Linse einen deutlich sichtbaren Blau-/Lilastich.

Das Produkt ist insgesamt sehr hochwertig verarbeitet. Die meisten Teile bestehen aus qualitativhochwertig anmutendem Kunststoff oder Aluminum. Moment gibt sich bei der Fertigung dieses Objektives große Mühe und liefert ein Qualitätsprodukt ab.

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Die Montage an der Drohne

Wer es gewohnt ist einen ND-Filter an seiner Drohne zu wechseln, der kennt immerhin schon das Gefühl auch mal gegen die Kraft der Gimbalmotoren arbeiten zu müssen.

Die Montage der Anamorphic Lens ist jedoch deutlich komplizierter als das Wechseln eines Filters. Das liegt vor allem daran, dass aufgrund der Größe des Objektives ein eigener Befestigungsmechanismus zum Einsatz kommen muss.

Im Folgenden wollen wir den grundlegenden Vorgang einmal kurz umreißen, wer genaueres wissen will, schaut am besten direkte in das Erklärungsvideo von Moment. Dieses ist im Übrigen auch direkt über einen QR-Code auf der Willkommensnachricht im Lieferumfang abrufbar. Unter dem Link stellt Moment auch eine detaillierte Anleitung auf englisch bereit, die man sich in jedem Fall vor der Montage anschauen sollte.

Die Montage des Objektives lässt sich in folgende Schritte unterteilen:

  1. Drohne anschalten und Standardfilter / ND-Filter entfernen
  2. Drohne auf den Rücken drehen
  3. Gegengewicht auf der Rückseite des Gimbals befestigen
  4. Anamorphic Lens ansetzen und einrasten
  5. Drohne auf gerade Oberfläche stellen
  6. Gimba-Kalibrierung durchführen (via Go 4 App)
  7. Ggf. Roll-Achse des Gimbals korrigieren

Diese Schritte müssen jedes Mal durchlaufen werden, wenn ihr das Objektiv verwenden wollt bzw. die Drohne ausgeschaltet habt – z.B. bei einem Akkuwechsel. Man merkt an dieser Stelle schon, dass es sich um ein Produkt für Enthusiasten handelt, die gerne etwas mehr Aufwand für echtes 2,40:1-Material in Kauf nehmen.

Insgesamt geht die Montage aber nach einigen Malen relativ leicht von der Hand. Der schwierigste Schritt ist eigentlich das Anbringen des Gegengewichtes, da hier nur sehr wenig Platz am Gimbal vorhanden ist, um das Gewicht richtig zu platzieren. Bei einem geübten Piloten ist aber auch die Anamorphic Lens von Moment in drei Minuten einsatzbereit.

Verwendung der Anamorphic Lens

In der Verwendung unterscheidet sich der Betrieb mit Anamorphic Lens nicht besonders vom Filmen mit normaler Linse. Ihr könnt alle Funktionen ganz normale verwenden und Aufnahmen anfertigen.

Moment hat das Objektiv aber ganz klar für den 4K HQ-Modus der Mavic 2 Pro optimiert. In diesem Modus wird die Brennweite der Kamera ein wenig beschnitten und ein größerer Sensorbereich für höher Qualität verwendet.

Der wirkliche Unterschied in der Handhabung ist eigentlich erst in der Postproduktion sichtbar. Hier muss das Videomaterial nun in jedem Fall zunächst entzerrt werden. Der Anamorphoskop von Moment hat ein Stauchungsverhältnis von 1,33x.

Ein Blick in das Objektiv
Das Objektiv auf der Hasselblad Kamera der Mavic 2 Pro.

Es wird also ein 2,4:1-Format auf die Fläche eines 16:9-Sensors projiziert. Diese Stauchung um 1,33x muss dann also wieder rückgängig gemacht werden.

Ein weiterer Unterschied zwischen dem Standardobjektiv der Mavic 2 Pro und der Anamorphic Lense ist der starke Cine-Lens-Effekt des Objektives.

Im Filmgeschäft gibt es spezielle Cine-Objektive, die neben einer auf manuelle Fokussierung ausgelegten Bedienung („Focus Pulling“) auch eine besondere optische Eigenschaft aufweisen: Lens Flare.

Dieser Effekt wird in der Fotografie durch komplizierte Optiken möglichst versucht zu unterdrücken, ist jedoch bei Filmen extrem angesagt. Gemeint sind damit die kleinen sichtbaren Reflexionen in Blendenform rund um eine starke Lichtquelle. Im deutschen wird das Ganze manchmal auch als Blendenflecke bezeichnet.

Die Mavic 2 Pro mit dem Moment Objektiv
Der lila Schimmer der Optik ist deutlich sichtbar.

Auch die Anamorphic Lens von Moment produziert schöne Lens Flares, die das Material noch ein bisschen cineastischer und professioneller aussehen lassen. Die Flares ziehen sich dabei horizontal zum Bild hin und sind besonders deutlich, wenn die Kamera genau in eine Lichtquelle bei starkem Kontrast zum Hintergrund schaut (z.B. Scheinwerfer oder Sonnenaufgang / Untergang).

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Alleine für diesen Effekt geben einige Videografen schon sehr, sehr viel Geld aus.

Optische Ergebnisse

An dieser Stelle wollen wir euch natürlich nicht die Ergebnisse einiger Aufnahmen vorenthalten, die wir mit der Anamorphic Lens gefilmt haben.

Für den Vergleich flog die Mavic 2 Pro zwei Mal die gleiche WayPoint-Mission und erstellte an definierten Punkten Aufnahmen. Gefilmt wurde mit H.265 bei 4K und 30 fps im HQ-Modus und 10 Bit D-Log. Die Aufnahmen wurden nur durch die DJI LUT für den D-Log Modus in Rec.709 konvertiert.

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Die Moment Anamorphic Lens in Aktion an der Mavic 2 Pro.

Wir empfehlen euch außerdem auch das Video des Herstellers anzusehen, welches noch einmal relativ simpel auf die Eigenschaften des Produktes eingeht und auch einige schöne Aufnahmen zeigt.

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Quelle: Moment

Außerdem haben wir noch einige Standbilder aufgenommen. Die Vergleichsbilder wurden im 16:9-Format aufgezeichnet.

Im Gegensatz zum Videomodus, der das Blickfeld des HQ-Modus der DJI Mavic 2 Pro nutzt, werden die Bilder mit vollem FOV geschossen. Dadurch entsteht mit dem anamorphischen Objektiv eine deutliche Vignettierung. Diese haben wir nachträglich entfernt (Crop).

Bitte beachtet, dass die Fotos für das Web optimiert wurden und lediglich Full HD-Auflösung aufweisen.

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Fazit

Mit der Anamorphic Lens hat Moment ohne Frage ein einmaliges Produkt für die Mavic 2 Pro geschaffen. Zugriff auf ein anamorphes Objektiv zu haben ist für alle Filmer und Videofans die Erfüllung eines kleinen Traumes.

Die optischen Ergebnisse sprechen in unseren Augen für sich. Wer auf der Suche nach dem klassischen Cinemascope-Look und -seitenverhätlnis für seine Drohnenvideos ist, der kommt an dem Objektiv von Moment derzeit nicht vorbei.

Das Produkt ist insgesamt sehr hochwertig verarbeitet und kommt in einer praktischen Transportbox.

Abfinden muss man sich hingegen mit der relativ aufwändigen Montage und der Kalibrierung des Gimbals. Das ist im professionellen Einsatz aber weniger ein Problem.

Preislich liegt die Anamorphic Lens von Moment aktuell bei circa 259 US-$ (ca. 227 Euro). Da Moment direkt aus den USA liefert, kommt hier noch Einfuhrumsatzsteuer und Zoll drauf.

Das Objektiv ist damit immer noch ein Schnäppchen. Das merkt man ganz schnell, wenn man sich auf eine kurze Google-Suche nach anderen Anamorphoskopen begibt.

Auch wenn sich das Objektiv sicherlich nicht für jeden Drohnenpiloten eignet, so können wir allen Enthusiasten und Profis dieses vergleichsweise preisgünstige Zubehör nur empfehlen.

Pro

  • hohe optische Qualität
  • echtes 2,40:1-Feeling
  • sehr gute Verarbeitungsqualität
  • exakte Passgenauigkeit an M2P
  • kommt inklusive Transportbox
  • fairer Preis

Contra

  • relative aufwändige Montage
  • neue Kalibrierung notwendig bei Akkuwechsel

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

Hi, ich bin Nils! Ich bin leidenschaftlicher Modellbauer, Hobby-Fotograf, Akku-Liebhaber und RC-Pilot. Ich berichte hier über die neusten Entwicklungen in der Drohnen-Branche und kümmere mich um detaillierte Anleitungen, Guides und Testberichte.

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