Bericht: DJI soll Investitionen vom chinesischen Staat erhalten haben

Der Einfluss der chinesischen Regierung auf den Drohnenhersteller DJI als Weltmarktführer in seiner Branche wurde von vielen US-Politikern immer wieder als Drohszenario verwendet. Nun wirft ein Artikel der Wahsington Post über die Herkunft von Investitionen neues Licht auf die möglichen Verbindungen zwischen DJI und der chinesischen Regierung.

DJI befindet sich bereits seit mehreren Jahren in stürmischen Gewässern auf dem US-Markt. Zumindest gilt das ganz klar, wenn man die politischen Aktivitäten der US-Regierung gegenüber dem chinesischen Unternehmen betrachtet.

Den Anfang machten Berichte des Department of Homeland Security, das schwere Sicherheitsbedenken bei der Verwendung „chinesischer Drohnen“ durch US-Behörden äußerte. Seitdem ist auch DJI in den Fokus geraten und sieht sich mit immer weiteren Restriktionen in seinem derzeit ohne Frage wichtigsten Absatzmarkt konfrontiert.

Investitionen von staatlicher Seite erhalten?

Der Bericht des DHS war dabei nur ein erster Stein, der ins Rollen gebracht wurde. Zwischenzeitlich landete DJI Ende 2020 auf der wirtschaftlichen Black List der USA (Entity List), die Unternehmen die Verwendung amerikanischer Technologie quasi unmöglich macht. Begründet wurde der Schritt damals in Zusammenhang mit der Unterückung der Minderheiten der Uiguren in der Region Xinjiang. Laut US-Regierung lagen zu dem Zeitpunkt Hinweise vor, dass DJI durch Belieferung verschiedener Gruppen in dem Gebiet mit Drohnentechnologie „…weitreichende Menschenrechtsverletzungen…“ ermöglicht hat. Auf dieser Liste steht das Unternehmen bis heute.

Fadenkreuz Drohne Anti-Drone Mavic 2
DJI ist erneut ins Visier geraten.

Erst vor wenigen Wochen folgte im Dezember 2021 dann die Listung auf der nächsten US Black List. Dieser Vorgang hat nun zur Folge, dass US-Bürger oder Personen, die in den USA leben, keine Investitionen mehr in das Unternehmen tätigen dürfen. Damit fällt – einfach gesagt – der US-Markt zur Finanzierung des Unternehmens weg.

Ein neuer Artikel der Wahsington Post stellt nun die Beziehungen zwischen DJI und verschiedenen staatlichen oder staatsnahen chinesischen Organisationen dar, die über die letzte Jahre in DJI investiert haben sollen.

Teile der Informationen stammen dabei offenbar aus einem Analysebericht der US Video Surveillance Group IVPM. Insgesamt bleiben die unterstellten Zusammenhänge aber schwierig darzulegen, was auch an der Unternehmensstruktur von DJI liegen soll, welches seine Eigentümerstruktur über ein Unternehmen in Hongkong steuert. Wer hier Kapitalgeber oder Anteilseigner ist, ist nicht öffentlich. Das ist bei privaten Unternehmen, also Unternehmens, die nicht öffentlich an der Börse gehandelt werden, aber keine Besonderheit.

Konkret soll DJI laut dem Artikel der Washington Post Investitionen von vier staatlichen oder staatsnahen Fonds der chinesischen Regierung erhalten haben. Darunter die China Chengtong Holdings Group, die direkt von der Assets Supervision and Administration Commission (SASAC) verwaltet wird. Die SASAC ist dabei eine Behörde, die unter anderem Chinas Staatsunternehmen verwaltet.

Weitere Investitionen kamen demnach von dem Shanghai Venture Capital Guidance Fund, der von Shanghais Kommunalverwaltung gemanagt wird. Die staatliche Guangdong Hengjian Investment Holding soll demnach ebenfalls in DJI und das Unternehmen SenseTime investiert haben. Beide Unternehmen stehen nun gemeinsam auf der US Investment Black List. Als vierten und letzten Kapitalgeber taucht SDIC Unity Capital in dem Bericht auf. Über zwei Ecken ebenfalls staatlichen kontrolliert.

Hat DJI falsche Aussagen gemacht?

Der Bericht der Washington Post dürfte weiters Öl ins Feuer auf dem US-Markt für DJI bedeuten. Meldungen wie diese, haben in der Vergangenheit bereits zur Meinungsbildung beigetragen und können Entscheidungen der Politik nicht unwesentlich beeinträchtigen.

Problematisch scheint an den veröffentlichten Informationen vor allem, dass sie den Aussagen entgegenstehen, die DJI im Zuge der vorgelagerten Vorwürfe veröffentlicht hat. Zu letzt hatte der Drohnenhersteller in einem Artikel mit dem englischen Titel „BUSTED: Five Common Myths About DJ“ (etwa „AUFGEKLÄRT: Fünf gängige Mythen über DJ“) klar widersprochen. Konkret heißt es in dem Blog-Post: „DJI wird von Wang und seinen Gründungskollegen geleitet und geführt. DJI hat keine Investitionen der chinesischen Regierung erhalten, aber amerikanische Risikokapitalfirmen haben mehr als 100 Millionen Dollar investiert.“ (deutsche Übersetzung).

Diese Aussage steht den Informationen aus dem IVPM-Report und den Recherchen der Washington Post deutlich entgegen. Während die vier genannten Fonds, die in DJI investiert haben soll, sich offenbar nicht zu den Gegebenheiten gegenüber der Washington Post äußerten, steht DJI seinen bisherigen Aussagen bei. Gegenüber der US-Zeitung äußerte sich ein DJI Unternehmenssprecher folgendermaßen: „DJI befindet sich in privater Hand. Das Unternehmen wird ausschließlich vom Gründerteam geleitet und befindet sich mehrheitlich in dessen Besitz. Andere Anteilseigner als die Gründer sind nicht an der Leitung und dem Betrieb des Unternehmens beteiligt.“ (deutsche Übersetzung).

Streiten kann man sich an dieser Stelle über die Feinheiten. Ob DJI mit seinen Aussagen sich auf „direkte“ Investitionen von staatlicher Seite bezog und so indirekte Investitionen über Fonds ausklammert, die wiederum von staatlicher Seite kontrolliert werden, bleibt also Interpretationssache.

Investitionen könnten Folgen für DJI in den USA haben

Dass der Bericht einfach so ohne Folgen stehen bleibt, ist unterdessen unwahrscheinlich. Vielmehr dürfte der Wind für DJI in den USA noch eimal rauer werden.

Konkrete Ideen kommen dabei offensichtlich aus den Kreisen der FCC (Federal Communications Commission). Diese US-Behörde verfügt im Endeffekt darüber, welche Unternehmen Zugang mit ihren Produkten zur US-Kommunikationsinfrastruktur erhalten. DJI kommt aufgrund der technischen Natur von Drohnen, die Informationen empfangen und senden müssen, um zu funktionieren, also nicht an der FCC vorbei.

Es kommt daher auch nicht von ungefähr, dass die FCC-Datenbank eine der zuverlässigsten Quellen in der Zeit vor neuen Produktveröffentlichungen im Drohnensektor ist. Die Freigabe bei der FCC ist also essentiell, um Produkte legal auf dem US-Markt betreiben zu dürfen.

Auch die FCC führt schon länger eine Liste mit Unternehmens, die keinen Zugriff auf US-Fördermittel erhalten, um die US-Telekommunikationsinfrastruktur aufrecht zu erhalten. DJI selbst trifft das derzeit noch nicht, denn das Unternehmen ist nicht im Bereich der Telekomunikationsausrüstung tätig.

Der neue Secure Equipment Act, welcher vor Kurzem in eine Gesetz gegossen wurde, verlangt von der FCC nun jedoch, Maßnahmen zu etablieren, die den gelisteten Unternehmens die Freigabe für ihre Produkte nach FCC-Richtlinien versagen können.

Noch steht DJI nicht auf dieser Liste. Die Drohkulisse ist aber ohne Frage aufgebaut. Um auf der Liste zu landen, sind nicht einmal „nationale Sicherheitsbedenken“ notwendig. Die FCC handelt hier nach einem anderen Maßstab und kann Unternehmen bei fehlender „Aufrichtigkeit“ bzw. „Unehrlichkeit“ auf diese Liste setzen. Bisher verlieren diese Firmen nur den Zugang zu Fördermitteln. In der Zukunft könnte die FCC-Freigabe für Produkte auf dem Spiel stehen.

Drone-Zones’s Meinung

Die neuen Informationen und Aussagen zu bewerten fällt aus der Ferne schwer. Festzuhalten ist, dass Investitionen von Behörden – vor allem im militärischen Bereich – auch in den USA auf der Tagesordnung stehen. China handelt hier analog. Aus Sicht der USA und im Kontext des Handelskrieges mit China, greift die US-Regierung an dieser Stelle ziemlich direkt durch. Über den Einfluss der chinesischen Regierung auf ein einzelnes Unternehmen wie beispielsweise DJI, wird sich nur schwer von außen etwas ableiten lassen.

Sollte es wirklich dazu kommen, dass DJI irgendwann für seine Produkte keine FCC-Zulassungen mehr erhalten könnte, würde das einem Marktausschluss in den USA gleichkommen. Dieser Schritt dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf diplomatischer Ebene für Spannungen sorgen. Ob es soweit kommt, ist heute aber schwer vorherzusagen.

Fakt ist: Der Tanker „DJI“ steht weiterhin im Sturm auf hoher See. Und so schnell dürfte sich das für den Kamera- und Drohnenhersteller auch nicht ändern.

Quelle: Washington Post, DJI Blog

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Nils Waldmann

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