Neue Lipo Akkus eingewöhnen

Anzeige

Immer wieder liest man in Foren von Beiträgen über Lipo Akkus, die anscheinend nie so richtig ihren Druck entfaltet haben und schlapp wirken. Oftmals werden diese Zellen und ganze Marken dann von den entsprechenden Autoren des Themas schlecht geredet. Dabei liegt der Fehler nicht selten beim Anwender. Ich möchte mit diesem Beitrag kurz beschreiben, wie ich meine Lipos vor dem ersten Einsatz vernünftig eingewöhne.

Akkus eingewöhnen? Das ist doch Quatsch! – Das denken nun vielleicht einige von euch. Es ist aber sehr wohl sinnvoll, die Zellen auf den Hochstrombetrieb vorzubereiten. Der Grund hierfür ist ganz einfach die Beschaffenheit von neuen Zellen, die frisch aus dem Regal des Händlers kommen. Im Werk wird das Elektrolyt in den Zellen mit sogenannten Reaktionsinhibitoren versetzt, die die elektro-chemischen Reaktionen im Akku auf ein Minium reduzieren. Diese Stoffe sorgen also für eine wesentlich verlangsamte Alterung, was aufgrund der teils langen Transportwege und Lagerzeiten durchaus Sinn macht. Im Schnitt wird ein Akku wohl deutlich später das erste Mal in einem Modell eingesetzt, als er produziert worden ist.

Um diese Reaktionsinhibitoren abzubauen sollte man neue LiPo Akkus eingewöhnen. Die Stoffe sorgen nämlich nicht nur für eine verlangsamte Alterung, sondern auch für einen hohen Zelleninnenwiderstand*, der sich in verminderter Leistungsfähigkeit (= dem maximal entnehmbaren Strom) niederschlägt. Zur Eingewöhnung neuer LiPo-Zellen reicht das zyklische Laden und Entladen des Akkus an einem komaptiblen Computerladegerät. Ich verwende für alle meine Akkus den Junsi iCharger 206B*, da dieses Ladegerät den Vorteil des regenerativen Entladen bietet.

Über die Zeit haben sich zum Eingewöhnen bei mir folgende Zyklen als sinnvoll erwiesen:

  • Zyklenanzahl: 5
  • Ladeschlussspannung pro Zelle: 4,19 V (um Überladung auszuschließen)
  • Entladeschlussspannung pro Zelle: 3,1 V (um Tiefentladung auszuschließen)
  • Geladen wird unbedingt mit aktivem Balancer
  • Ladestrom: 0,7C (Beispiel: bei einem 2200mAh Akku würde dies einem Ladestrom von ca. 1,5 A entsprechen)
  • Entladestrom: 3-4C

Nach diesem Durchgang ist der Innenwiderstand der Zelle im Vergleich zum unbehandelten Pack gesunken. Dies macht sich sofort deutlich im Flugbetrieb bemerkbar.

Für Besitzer von Junsi Ladegeräten* sei noch schnell die regenerative Entladefunktion erwähnt, die es erlaubt, den LiPo aus einem Blei-(Gel/Säure)-Akku zu laden und den Strom während des Entladens wieder in diesen zurückzuspeisen. Somit wird nur ein geringer Teil der Energie an den DC/DC-Wandlern in Wärme umgewandelt und der größte Teil ist wieder nutzbar. Zudem lassen sich so sehr hohe Entladeströme realisieren, da die Wandler des iChargers bidirektional funktionieren. Wichtig ist nur, dass im „Settingsmenü“ der Ladestrom und die maximale Ladespannung für den Blei-Akku* richtig konfiguriert und an die Daten des Akkus angepasst sind. An dieser Stelle lohnt auch noch einmal ein Blick in das Handbuch des Ladegerätes.

Hinweis: Ich weise darauf hin, dass ich keinerlei Verantwortung für Schäden an Hard- und Software oder Personen bei Anwendung dieser Richtwerte / Technik übernehme. Die Umsetzung geschieht auf eigene Gefahr und Verantwortung. UND: LiPos immer in geeigneter Umgebung und NIEMALS unbeaufsichtig laden!

Update: Nach vielen Test von Akkus mit moderner Lithium-Polyemere-Chemie, halte ich das Eingewöhnen von Akkus (LiPo) nur noch für mäßig sinnvoll. Sicher ist vor allem das Begrenzen des Ladestrom bei den ersten Zyklen nicht schädlich, trotz allem sehe derzeit keine Argumente mehr, die der direkten Verwendung des Akkus im Modell widersprechen würden. Vor allem Graphene basierte LiPos haben in der Anzahl der Nutzungszyklen bereits eine so großen technischen Weiterentwicklung erreicht, dass ein Alterungseffekt aufgrund nicht erfolgter Eingewöhnung aus meiner Sicht zu vernachlässigen ist. Das gilt alles natürlich nur, wenn qualitativ hochwertige Zellen verwendet werden. Wer Zellen mit zu hohen Dauerströmen im Allgemeinen überlastet, dem bringt es auch Nichts seine Akkus einzugewöhnen.

Anzeige
Nils Waldmann

Nils Waldmann

...studierter Wirtschaftsingenieur und Wirtschaftsinformatiker, leidenschaftlicher Modellbauer, Hobby-Fotograf, Akku-Liebhaber und freier Redakteur bei dem Computer-Onlinemagazin Allround-PC.com.

3 Gedanken zu „Neue Lipo Akkus eingewöhnen

  • 8. August 2013 um 17:25
    Permalink

    Hallo,
    habe deinen Beitrag neugierig gelesen, nun meine Frage:

    Kann ich meinen neuen 5000mAh Lipo auch mit 1A entladen?
    Das Gerät kann max. 1A entladen und schaltet dann nach 120min ab.
    Ich starte den Vorgang dann noch mehrmals bis der Lader fertig meldet.
    Dann wird mit 4A geladen.

    Diese Prozedur dann 5x

    Danke für eine Antwort
    Frank

    Antwort
    • Nils Waldmann
      8. August 2013 um 17:29
      Permalink

      Hallo,
      die Angabe ist ja nur eine grobe Richtlinie. Weniger Entladestrom ist kein Problem. Man sollte die Akkus am Anfang bloß nicht überstrapazieren. Greift der Safteytimer auch beim Entladen ein und ist nicht verstellbar?

      Beste Grüsse

      Antwort
      • 8. August 2013 um 17:31
        Permalink

        Der Lader schaltet ab bei 3V pro Zelle.

        Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.